ARG-Spieler in der Abmahnfalle
Wir wollen Hernn Reznor mit seinem Year-Zero-ARG über eine Welt nach dem 3. Weltkrieg mal wohlwollenderweise gute Absichten unterstellen. Das Wohlwollen hat bestimmt in meiner Dystopie-Affinität ihren Ursprung, und der Style der ganzen Sache ist ja schon irgendwie mein Ding, nicht nur was das Audiovisuelle angeht. Man könnte die ganze Chose aber genauso gut als Marketing-Masche im Neo-Revoluzzer-Chic abtun, keine Frage.
Klar ist jedenfalls, dass jeder noch so gut gemeinte Weckruf im Keim erstickt wird, wenn ein NIN-Fan von der deutschen Dependance der Plattenfirma Musikmafia abgemahnt wird, nur weil er einen “offiziell geleakten” Track als Stream auf seiner Homepage angeboten hatte. Oder wird dadurch erst eine Wut geschürt, die realer als jede alternate reality ist, sozusagen ein nochmals andere Version der Wahrheit?
(Abgemahnt) weil ich so blöd war und dachte, eine virale Werbekampagne sollte man weiter tragen.
Aber mir wird schier schlecht bei dem Gedanken, dass ich gleichzeitig eine Musikindustrie unterstütze, die sich einen Dreck um ihre Konsumenten schert.
Übrigens gibt es neuerdings im Rahmen des ARG schicke Resistence-Sprühvorlagen im PDF-Format zum runterladen. Was wohl passiert, wenn man die an seiner Hauswand anbringt, eine Erlaubnis des Hauswandeigentümers mal vorausgesetzt? Bekommt man dann auch eine Abmahnung aufgrund einer Urheberrechtsverletzung und illegaler Verbreitung geistigen Eigentums? Das wäre dann wenigstens ein halbwegs konsequenter Schwachsinn.
Links:
- Mehr zur Abmahnung im Gulli
- Offizielle Seite zum kommenden Album: yearzero.nin.com
- Diskussion zum Thema auf Echoing the Sound
- Persiflage auf diesen ganzen Mysterie-Kram aus der Sicht von Meathead
- Die für die Durchführung verantwortliche Medienagentur






























Am 23. Februar 2007 um 12:38 Uhr
Die Käufer von Musik sind das Produkt, die Anteilseigner der Plattenfirmen sind die Kunden. Und um die wird sich sehr wohl gekümmert.
Am 3. März 2007 um 23:02 Uhr
[…] Ich hab’ mal bei Technorati geschaut was die Blogblase momentan zu NIN+Reznor auswirft und viel spannendes war nicht zu finden. Die Internetkapitäne feierten vor 4 Tagen das virale Marketing (kein Wort zur Abmahnung), der Sc-Fi Blog ngc6544 beschränkte sich vor 8 Tagen auf Reznors Zukunftsversion, ebenso vor 8 Tagen gab’s kritisches zum Thema (inkl. Link zur Abmahnung) bei rue’s headroom. Vor 9 Tagen der Beitrag von Falk, der auf die Tücken des viralen Marketings hinweist und das Schweizer 78’s Blog, das im Abspann zur Schnitzeljagd auch die Abmahnung erwähnt. Kein Vergleich zu dem was sich in den letzten 9 Tagen zu Schlämmer+VW in der Blogblase los war, geschweige denn zu Second+Life… […]
Am 11. März 2007 um 00:20 Uhr
[…] Es gibt ja seit ein paar Tagen auch ein neues Nine Inch Nails Video (Survivalism), welches sich ebenfalls ganz geschickt mit der Thematik auseinandersetzt. Da dieses Video allerdings nur offiziell inoffiziell via USB-Toilette veröffentlicht wurde, und die Bluthunde Anwälte von Universal bekanntlich keinen Spaß verstehen, lass’ ich das mit dem direkten YouTube-Embed mal lieber sein. […]