Kreuzkölln

Kreuzkölln als Begriff für den Reuterkiez war mir ja bisher noch nicht bekannt. Gefällt mir auch nicht. Muss man sich denn von Rest-Neukölln abgrenzen, um dort wohnen zu können?

Egal. Heute gehen die 48 Stunden los, und wie der Chronist aus der Friedelstraße schon bemerkte, wird es insbesondere im Reuterkiez viel zu sehen geben. Größte Überraschung ist für mich aber die Boddinstraße (weit jenseits der Sonnenallee gelegen). Als wir dort vor ein paar Jahren eine Wohnung besichtigten, fielen uns vor allem die Trinker vom Boddinplatz und die beiden Puffs links und rechts neben dem Hauseingang auf. Und jetzt sind da auf engstem Raum sieben Veranstaltungsorte.

8 Gedanken zu „Kreuzkölln“

  1. ich bin mir auch noch nicht so ganz sicher, wer den begriff eigentlich erfunden hat. über das warum und ob das so gut ist, werde ich auf jeden fall auch noch mal rumphilosophieren.

  2. Also ick finde den Begriff KREUZKÖLLN super! Neukölln hat – ob nun zurecht oder nicht sei mal dahingestellt – ein bestimmtes Image. Auf der anderen Seite verändert sich unwahrscheinlich viel, und halt gerade in Nord-NK. Der Begriff bringt Neukölln halt in die Nähe zu Kreuzberg, und ich fidne sowieso, dass Neukölln das neue Kreuzberg ist bzw. so ist, wie sich viele Leute immer noch Kreuzberg vorstellen.

    Egal, ich mag den Begriff jedenfalls und wünsche mir, dass er sich verbreitet. Das wird auch passieren, denn er ist schön griffig!

    Kade

  3. @Kade: Was das Image angeht sind wir einer Meinung. Wenn ein Begriff wie Kreuzkölln das verbessern kann – von mir aus. Für den (Mitte-nahen) südlichen Wedding lässt sich vermutlich kein so klangvoller Begriff finden.

    Ich denke aber nicht, dass er sehr lange von Bedeutung sein wird. Neukölln ändert sich, und nicht nur zwischen Kanal und Sonnenallee. Da braucht man nicht die Nähe zu Kreuzberg zu betonen, und kann ruhig ein eigenständiges Selbstbewusstsein entwickeln und darstellen.

  4. Dieses neue Neukölln, auch ‚Kreuzkölln‘ genannt, ist strange. Sehr strange. Man fühlt sich dort wie im Prenzl’Berg Anfang / Mitte der 90er Jahre… Runtergerockt, improvisiert, billig (preisgünstig). Die Straßen sind leer – geradezu ausgestorben – aber die Kneipen sind voll (unglaublich voll!). Und wenn man doch mal ein paar Leute auf der Straße sieht, sind sie strange. Also zumindest für die Lebenswelt, in der man sich vorher gerade noch befunden hat – Neukölln halt. Neukölln UND Szene sind STRANGE (aber so hat es im P-Berg vor 15 Jahren auch angefangen).

    Das mag ich an Berlin: Es kann mich immer noch überraschen. Es verändert sich permanent.

    Es gibt nicht vieles, das ich an Berlin mag, aber das _liebe_ ich: Es verändert sich immer wieder und immerzu. Es gibt immer wieder was Neues zu entdecken. Dieses Neue war nicht etwa vorher schon da und man hat es nur nicht gesehen, nein, es entsteht!
    (Gestern war es noch Schlesisches Tor, heute ist es „Kreuzkölln“)

  5. Diese STRANGEness ist mir auch überaus sympatisch. Die findet man so in Kreuzberg auch nicht mehr. Deshalb finde ich den Begriff „Kreuzkölln“ auch unnötig. Neukölln kann durchaus für sich stehen.

    Und hoffentlich geht das mit der Gentrification nicht so krass ab wie am Schlesischen. Wie sich da mittlerweile am Wochenende über die Füße gestolpert wird…

  6. Stimmt, Neukölln (NK) kann da ruhig selbstbewußt auftreten. Trotzdem ist NK ja sehr groß und vielschichtig, da passt so ein Begriff wie Kreuzkölln schon, jedenfalls find ich ihn besser als „Reuterkiez“ zB.

    Zum Wedding, das ist jetzt ja auch Mitte, naja, jedenfalls offiziel. Ich hab noch nicht das Gefühl, dass sich für den südöstlichen Teil „Gesundbrunnen“ wieder einbürgert, aber das klingt doch auch schon mal nett, oder? Einzelne Kieze im Wedding haben meines Erachtens auch kreatives Veränderungspotential, zum Beispiel der sog. „Soldiner Kiez“. Es ist auf der einen Seite teilweise noch ordentliche schöne Bausubstanz da (wart ihr mal in der Biesentaler Str., um mal nur ein Beispiel zu nennen?) und doch ganz schön zentral gelegen zur Mitte hin, andererseits doch immer noch viel Leerstand, Multikulti und Prekariatsfeeling, weil das jetzt wohl heißt. Ergebnis: im Moment noch niedrige Mieten. Folge: Irgendwann ziehen Studis und (Lebens-)Künstler dahin. Aber das ist ja immer genau die Mischung, aus der neue Kieze irgendwann entstehen… Gibt schon so einige Gallerien und Künstler inzwischen dort, aber komischerweise noch kein Ausgehangebot / Cafes / Bars / Kneipen. Wird aber bestimmt kommen, wenn andere, im Moment noch von der Masse bevorzugte Ecken zu teuer werden.

    Ne andere Ecke ist Moabit, auch der Stadtteil wird unterschätzt und hat Entwicklungspotential.

    Die drei Kieze (NK, Gesundbrunnen, Moabit) würd ich mal beobachten, in 10 Jahren sehen die bestimmt anders aus als heute…

    kade

  7. Kaum hat eine dumme Zeitschrift unser geliebtes Neukölln wegen ein paar Galerien und sterbenslangweiligen Kneipen zum dernier crie ausgerufen, kommen sie schon angerannt, diese Latte- und Laptopschnullies, und werden ohne Gnade das kapput machen, was eben den Charme Neuköllns ausgemacht hat: deren Abwesenheit.
    Neukölln muß in Kreuzkölln unbedingt erkennbar bleiben!

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