Archiv der Kategorie: Berlin

Großstadtleben

Soso, Privatisierung führt zu Angebotsverbesserungen

War der Verkehr auf der Berliner Stadtbahn denn so unzumutbar, dass eine Verbesserung darin bestand, ihn einfach mal für ein paar Wochen komplett auszusetzen?

Von Kritikern einer Bahnprivatisierung wurde oft das Negativbeispiel British Rail genannt. Nachdem die staatliche Eisenbahn zerteilt und verhökert wurde (was sogar Margaret Thatcher zu weit ging), häuften sich Betriebsstörungen, Verspätungen und Unfälle. Und was haben wir jetzt bei der Berliner S-Bahn? Betriebsstörungen, Verspätungen und Unfälle.

Bravo, gut gemacht!

Letzte Woche im Karmanoia

Die letzten Tage dieses Theaterdings in der Mainzer Straße sind ja nun leider, leider angebrochen. Vor allem, wenn ich bedenke, dass ich diesen Laden erst im letzten Winter überhaupt kennengelernt habe, obwohl der ja ungefähr zur selben Zeit aufgemacht hat, als ich nach Neukölln kam.

Was soll’s – keine Zeit für Tränen, lieber beim Abschied mitfeiern. Geöffnet ist seit Montag Abend durchgehend bis Sonntag Mitternacht, mit einem nochmal wirklich schönem Schlussprogramm.

Auf Schockwellen durch das Web 2.0 trampen

Jörg Kantel, seines Zeichens Neuköllner, Blogger und bekennender Anhänger der Graswurzel-Publizistik, hat sein zweites Buch veröffentlicht: Per Anhalter durch das Mitmach-Web. Um das ganze ein wenig zu feiern, veranstaltet er eine Verlosung von 7 Exemplaren, an der ich durch diesen Beitrag teilnehme. So einfach geht das also mit dem viralen Marketing!

Aber ernsthaft – wenn es schon mal einer aus Neukölln "geschafft" hat, dann wird dem natürlich gerne geholfen. Außerdem habe ich gleich eine wunderbare Ausrede, um morgen endlich mal den Sandmann von innen zu begutachten.

Update: gewonnen habe ich zwar nicht, aber es sah kurz danach aus. Deswegen kann man mich auch im Verlosungsvideo grenzdebiel in die Kamera klatschen sehen. Aber darum ging’s auch eher nebenbei, ich fand’s schön, die Anwesenden getroffen zu haben.

Hörst du das?

Auf dem Richardplatz? Im Körnerpark? Diese Ruhe… Herrlich!

Nein, im Ernst. Ein wenig werde ich schon dieses bedrohliche Brummen einer sich auf den Start vorbereitenden Propellermaschine vermissen, welches man gelegentlich an vielen Stellen in Neukölln hören konnte. Doch nun bin ich gespannt auf die Nachnutzung, und hoffe, dass sich fantasielose Büro- und Wohtürme nicht durchsetzen werden.

Lärmtermine

In Berlin wird einem ja ein wirklich großes Spektrum der elektronischen Musik angeboten. Auch die weniger eingängigen Spielarten wie Noise und Industrial kommen da nicht zu kurz. Dazu zwei Ausgehtipps für die nächsten Tage.

Heute: The Young Gods im Berghain

Das schweizer Industrial-Urgestein „The Young Gods“ konnten wir bei ihrem letzten Berlin-Abstecher in der Kalkscheune schon sehen. War ein gutes Konzert – die Jungs haben ihr Ding echt drauf. Leider waren nicht sehr viele Leute da, mal sehen wie das heute im Berghain wird.

Samstag: Crossing The Parallel in der Maria

Ein neues Konzept stellen Schlagstrom am Samstag in der Maria vor: „Electro – Industrial – Techno – EBM – Noise – old school EBM treffen aufeinander“. Klingt genau nach meinem Geschmack! Mir war die Vermischung von Szenen und Stilen schon immer lieber als getrennte Welten. Mal sehen, wie das beim Publikum ankommt. Ich freue mich jedenfalls besonders auf Luc Van Acker (Revolting Cocks) und The Horrorist.

Kreuzkölln

Kreuzkölln als Begriff für den Reuterkiez war mir ja bisher noch nicht bekannt. Gefällt mir auch nicht. Muss man sich denn von Rest-Neukölln abgrenzen, um dort wohnen zu können?

Egal. Heute gehen die 48 Stunden los, und wie der Chronist aus der Friedelstraße schon bemerkte, wird es insbesondere im Reuterkiez viel zu sehen geben. Größte Überraschung ist für mich aber die Boddinstraße (weit jenseits der Sonnenallee gelegen). Als wir dort vor ein paar Jahren eine Wohnung besichtigten, fielen uns vor allem die Trinker vom Boddinplatz und die beiden Puffs links und rechts neben dem Hauseingang auf. Und jetzt sind da auf engstem Raum sieben Veranstaltungsorte.

In Rixdorf ist Musike!

Die positive Entwicklung des Reuterkiezes strahlt mittlerweile auch auf die benachbarten Straßen aus. Selbst in der Weserstraße, die noch bis vor kurzem eher trostlos war und nur durch ihren durchgehenden Radweg positiv auffiel, sprießen nun die neuen Örtlichkeiten. Begonnen mit dem Freies Neukölln (Ecke Pannierstraße), weiter über das Ä (Ecke Fuldastraße – keine Woche auf, und schon regelmäßig gut besucht!) zum Laden des Gelegenheiten e.v. (Ecke Elbestraße). Just an dieser Ecke, allerdings in der Schultheiß-Kneipe gegenüber, konnte man (für diese Gegend) unglaubliche Szenen beobachten. Ca. 100 meist junge Menschen tummeln sich vornehmlich auf dem Bürgersteig und aus den Fenstern schallt die Live-Musik einer Punkband. Wirklich sehr überraschend, wenn man hier jahrelang mit dem Fahrrad entlangfährt, und selbst zur Fußball WM nur tote Hose und ausgesetzte Möbel vorgefunden hat.

Weserstraße Ecke Elbestraße

Weserstraße Ecke Elbestraße

Das diesjährige Kunstfestival 48 Stunden Neukölln wird dieser Entwicklung sicherlich weiter Vorschub leisten. Von wegen Ghetto – Neukölln rult, ok?!