Hautnahe Berichte vom Mittelmeer

Während wir zu unserem Vergnügen und mehr oder weniger ungehindert in der Welt umher reisen, begeben sich jeden Tag tausende Menschen auf eine unfreiwillige, gefährliche Flucht in Richtung Europäischer Union. Wie die Verhinderung dieser Grenzübertritte an der türkisch-griechischen Grenze vor der Insel Lesbos vonstatten geht, versucht momentan der Berliner Fotograf Ole zu dokumentieren. Nach einem Urlaub in Istanbul und einem erfolgreichem Spendenaufruf via Facebook ist er mit Kamerausrüstung auf der Insel Cunda unterwegs und hat erschütterndes zu berichten:

Fünf Camps finden. Verlassen. Drei aufgeschlitzte Schlauchboote. Wieso? Klamotten. Viele! Teilweise noch ordentlich gefaltet. Kinderspielzeug. Babynahrung. Medikamente. Mützen. Wieder Kinderkleidung. Malbücher. Brot. Energyriegel. Pumpen. Handyhüllen. Flugtickets. Beirut – Istanbul. Zwei Monate alt. Und Wasserflaschen. Unzählige leere Wasserflaschen. Nur ahnen können wie viele Menschen hier waren. Dann ein Jeep. Drei Typen. Bloß kein Blickkontakt. „Hey, Photo of car – problem! No photo of car – no problem!“. Fluchthelfer? Egal. Erstmal geordneter Rückzug. Das war beängstigend. Zwei Stunden später trotzdem wieder hin. Plötzlich Grenzschutz. Laut auf türkisch brüllend. Bewaffnet. Aggressive Gesichter. Dann englisch. Sie: „You boss?!“. „Ich: Photograph! Camera!“. Auto durchsuchen. Telefon durchsuchen. Sie, schreiend: „GO!, GO!“. Dann ein Gruppe Geflüchteter. Männer. Frauen. Kinder. Ängstliche Gesichter. Zusammengetrieben. Abgeführt. Wieder Grenzschutz: „No photos, no photos!!“. Weiter gefahren.

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