Kleines Lehrstück in Verschwörungs-Propaganda

Die heutigen Schlagzeilen werden erwartungsgemäß vom Bombenanschlag in Boston dominiert. Etwas überraschender war dagegen die folgende Meldung, die mich über Facebook erreichte, und offenbar in ähnlicher Form auf Twitter Verbreitung findet:


(Link zum Artikel bei dailmail.co.uk)

Vom seltsamen Artikelbild abgesehen, sind daran mehrere Dinge problematisch.

Die Facebook-Nachricht sagt, dass es heute eine weiteres „Bombing“ gegeben hätte, eben das in Afghanistan, und dass man darüber heute vermutlich nichts in den Medien hören wird. Das suggeriert eine krasse Ungleichbehandlung, und bedient das Klischee der „Verschwörung westlicher Medien“, die über drei tote Amerikaner groß und breit, und über eine von der US-Armee bombardierte Hochzeit gar nicht berichten.

Und man wird heute alle Nachrichtensendungen schauen können, und es wird sich tatsächlich keine einzige Meldung darüber finden lassen. Denn das passierte bereits vor über 10 Jahren, genauer gesagt am 1. Juli 2002. Ein Artikel vom Guardian zeigt das korrekte Datum.

Aber wenn man dieses unwesentliche Detail nicht ausblendet, könnte man ja gar nicht in den Twitter-Kanon einstimmen, der da sagt: seht her, die töten noch viel mehr Menschen, was regt ihr euch über die paar in Boston auf?

Mich ärgert daran, dass gerade die Leute, die das verbreiten, offenbar selber vergessen haben, dass da in Afghanistan eine Hochzeit bombardiert wurde (tatsächlich war das nicht  mal der einzige Vorfall dieser Art, googelt selber), und dass der SEO-Teufel der Daily Mail Recht damit behalten hat, dass es mehr Klicks bringt, wenn man das Artikeldatum nicht dazu schreibt.