19. Etappe: Hong Kong – Hanoi

Hong Kong ist im Vergleich zu anderen asiatischen Großstädten wie Shanghai, Seoul oder Tokyo eher klein, aufgrund seiner extrem hohen Bevölkerungsdichte aber der schwindelerregendste Moloch den ich kenne. Schmale Wohnhochhäuser füllen die Hänge zum „Peak„, die Skylines auf beiden Seiten der Bucht gehören zu den spektakulärsten weltweit. Der damit einhergehende Begriff „vertikale Stadt“ ist auch nirgends anders so zutreffend. Die Straßenbahnen sind doppelstöckig, Häuser werden auf Häuser gebaut (mit eigenem Fahrstuhl, der wieder bei 1 beginnt), die Betten im Hostel stapeln sich dreifach und viele Straßenblöcke sind über Plattformen und Rolltreppen miteinander verbunden.

Ich könnte hier wochenlang spazieren gehen und Abkürzungen entdecken.

Nach drei Tagen wechseln wir von Causeway Bay auf die andere Seite des Victoria Harbors nach Kowloon, um in den berüchtigten Chungking Mansions unterzukommen: fünf Wohnhochhäuser mit einer Unmenge von Guesthouses, deren ersten zwei Stockwerke durch eine Art Mall für kleine Geschäfte miteinander verbunden sind. Unser vier Quadratmeter großes Zimmer empfinden wir als Luxus, da es im dritten Stock liegt: statt auf den ständig überfüllten Aufzug zu warten können wir eine verwinkelte Treppe nutzen.

Die Nachrichten von den Angriffen in Paris erreichen mich morgens (8:00 GMT+8) beim Frühstück via Facebook. Freunde in oder aus Frankreich berichten, dass sie in Sicherheit sind – wovor genau muss ich dann googeln, der Safety Check funktioniert hier erst später.

Das mag jetzt etwas ignorant klingen, doch trotz dieser persönlichen Ebene berühren mich die Geschehnisse zunächst überraschend wenig. Die Nachrichtenlage ist noch recht undurchsichtig, wir sind seit drei Monaten nicht mehr in Europa, Paris erscheint ähnlich weit weg wie Ankara und ich lese im Internet lieber über die Länder die ich gerade bereise als aktuelle Nachrichten. Natürlich bin ich erleichtert, dass es allen Freunden gut geht, aber das Ausmaß und die Folgen werden mir erst später bewusst. Nachdem ich Brennpunkt-Videos gesehen und die Artikel der Blogs und Nachrichtenportale gelesen habe.

Nach einer insgesamt viel zu kurzen Woche besteigen wir einen Flieger nach Hanoi, von wo aus wir die Länder Südostasiens mit deutlich reduziertem Tempo bereisen werden.

Unsere Reise geht noch lange, und ich frage mich, ob sich das Leben in Deutschland stark verändert haben wird bis wir zurück kehren.

 

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