6. Etappe: Moskwa – Jekaterinburg

Die Tage in Moskau sind davon geprägt, dass wir vor der Abreise nicht alle Vorbereitungen geschafft hatten und das jetzt endlich nachholen wollen. So will ich noch in eine leichtere und robustere Kamera investieren, und wir brauchen auch beide noch vernünftige Wind- und Wetterjacken. Dank des schwachen Rubels ist Shopping in Moskau tatsächlich gut ein Viertel günstiger als in Berlin.Gallery 47 konnte nicht geladen werden.

Leider gestaltet sich die Suche nach Spezialgeschäften etwas komplizierter. Wir stehen vor verschlossenen Türen, finden superschicke Klamottenläden, die dann ein, zwei (unbrauchbare) Outdoorsachen haben, werden von Google Maps zu einem Spielplatz inmitten einer Hochhaussiedlung geschickt oder landen in einem Sportgeschäft im Schwimmstadion der olympischen Spiele von 1980 – welches ausschließlich sündhafte teure Jacken in furchtbaren Farben zur Auswahl hat.

Fündig werden wir schließlich in einem äußerlich unscheinbaren, aber äußerst gut sortierten Fotogeschäft in einer Nebenstraße, sowie in der Outdoor-Mall Extreme. Letztere ist in einem ehemaligem Geschäftshaus untergebracht und beherbergt auf vier Etagen dutzende kleiner Spezialgeschäfte zu allen möglichen Sportarten wie Boxen, Angeln, Radfahren oder Klettern, und eben auch für Windjacken und Campingzubehör.

Immerhin lernen wir auf diesen teils langen und anstrengenden Ausflügen sowohl die weniger geschniegelten Seiten von Moskau kennen, als auch die freundliche Hilfsbereitschaft ihrer Bewohner, wenn wir mal wieder völlig konfus mit dem Smartphone in der Hand herumstehen und nicht verstehen, warum die echte Welt nicht so ist wie die Virtuelle.

Für Sightseeing oder Gespräche im Hostel bleibt da weniger Zeit, aber natürlich sind wir auch mal am Roten Platz, stellen uns für das Lenin-Mausoleum an, liegen pfeifend unten im Gorkipark und besuchen das Kosmonautenmuseum mit angrenzendem WDNK-Gelände. Dessen Ausdehnung (mehr Fläche als Monacko!) und die massiven Pavillons der Leistungsschau aus dem Jahr 1938 sind schon sehr beeindruckend. Überhaupt ist in Moskau vieles anders dimensioniert. Zehnspurige Straßen sind die Regel, die U-Bahn fährt alle 90 Sekunden und alles ist voller Menschen. Eigentlich aber auch nicht verwunderlich, schließlich sind wir in der Hauptstadt eines ehemaligen Weltimperiums und der – nach Istanbul – größten Metropolregion Europas.

Mittlerweile sitzen wir im Zug nach Jekaterinburg, der großen Stadt am Ural, dem Übergang von Europa nach Asien, in der die russische Monarchie ihr brutales Ende fand. Für die 26-stündige Fahrt in einem einfachen Zug haben wir Tickets in der 3. Klasse (Platzkart) gekauft, d.h. wir teilen uns einen offenen Schlafwagen mit 46 anderen Reisenden. Mit ein paar Brocken deutsch, englisch und russisch kommen wir mit den uns gegenüber sitzenden Mitreisenden ins Gespräch, und erfahren zum Beispiel, dass ihnen Beijing bei ihrem letzten Urlaub zu voll und verrückt war. Ich kann es mir nicht recht vorstellen.

Obwohl es erst Nachmittags ist, legen sich viele in ihre Kojen und versuchen zu schlafen – ein vierjähriger Bengel gibt sich jedoch äußerst charmant jegliche Mühe, das zu verhindern.

Ich beschließe auch ein wenig zu ruhen, und später die restliche Akkuladung zur Sortierung weiterer Bilder zu nutzen. Denn dieser Stapel wird immer größer, und schließlich sagt ein Bild ja doch immer mehr als alle Worte die ich hier von mir geben kann.

2 Gedanken zu „6. Etappe: Moskwa – Jekaterinburg“

  1. Du hast dir echt in Moskau noch eine OM-D geholt? Cool.

    Spannend wie ihr euch nach Osten bewegt!

    Liebe Grüße
    @lf

  2. Ja, musste dann doch noch sein. Bin auch schon schwer begeistert von ihr, obwohl ich noch kaum Zeit zur Einarbeitung hatte und erst mal vor allem auf Auto fotografiere.

    Bilder kommen auch bald, sind gerade in Jekaterinburg angekommen und werden mal einen ruhigen Tag einlegen.

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