Blick nach Nordkorea

Um wenigstens ein kleines touristisches Pflichtprogramm zu absolvieren nehmen wir an einer Gruppentour zur demilitarisierten Zone entlang der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea teil.

Die beiden Staaten befinden sich ja rein formell immer noch im Kriegszustand, und es gibt immer mal wieder kleinere Zwischenfälle. Wie zuletzt im August, als zwei südkoreanische Wehrpflichtige von einer Mine verletzt wurden. Man scheint aber weit vom Zustand in den 1970ern zu sein, als der Norden einige Infiltrationstunnel grub. Durch Verrat eines übergelaufenen Ingenieurs wurden diese aber entdeckt, und sind heutzutage als Touristenattraktion ausgebaut, inklusive Grubenbahn und Souvenirgeschäft.

Tatsächlich gibt es auch Kooperationen. So dürfen Arbeiter aus dem Norden unter Anleitung von Managern aus dem Süden in der Sonderwirtschaftszone Kaesong arbeiten. Die Dollar-Gehälter bekommt allerdings die Regierung, die sie dann zu einem äußerst schlechten Wechselkurs in Won auszahlt.

Es wurde auch ein moderner Grenzbahnhof errichtet, von dem aus in absehbarer Zeit Züge bis nach China und Russland fahren sollen, um Südkorea über den Landweg logistisch anzubinden. Diesen dürfen wir aber leider nicht besuchen, denn just am selben Tag wird er von Joachim Gauck begutachtet und ist daher für das gemeine Volk gesperrt. Wir stehen im Stau an der „Unification Bridge“ als die Kolonne der schwarzen Limousinen an uns vorbei rauscht. Ich versuche noch mit meinem Pass zu winken, vielleicht könnte man ja… doch da ist nichts zu machen.

Wenig überraschend erinnert vieles hier an den kalten Krieg in Europa. Auch in der DDR wurden Klamotten und andere Güter für den Westen produziert. Und über die Mauer in Berlin konnte man auch von so Holzpodesten aus nach „drüben“ schauen. Hätte es sie damals schon gegeben, wäre auch dort mit Selfiesticks gewedelt worden.

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Die Tour an sich changiert zwischen interessant und nervig. Man wird halt von einem Ort zum nächsten gescheucht, zwischendrin erzählt die Reiseleiterin viele Details. Trotzdem wird für Souvenir- und Essenläden mehr Zeit eingeplant als für die ohnehin schon spärlichen Ausstellungen. An den wirklich interessanten Stellen wie im Tunnel oder an den Checkpoints darf man nicht fotografieren. Dass man gegen Ende in Seoul noch in eine Schmuckbörse gelotst wird, ist dann schon sehr dreist – wenn auch weit entfernt von dem was wir von diversen Ausflügen in China gehört hatten.

Schließlich werden wir am Kriegsmuseum abgeladen. Von einem Besuch sehen wir ab, schlendern aber ein wenig im frei zugänglichem Außenbereich umher. Bei schönstem Sonnenschein tollen Schulklassen und Militärfreaks zwischen russischen Panzern, amerikanischen Jets, einer Scudrakete, einem B-52-Bomber und anderem Gerät umher.

2 Gedanken zu „Blick nach Nordkorea“

  1. Okay, alles wie bei uns … Nur anders. Die beiden Knuddel Grenzposten sind ja der Hammer und das an der letzten real existierenden Front des kalten Krieges. Mir schauderts.
    Oh Mann, ihr macht schon eine beneidenswerte Reise!
    Ganz liebe Grüße an euch Beide
    Alf

  2. Da ich per PM gefragt wurde:

    Es ist für niemanden möglich, die Grenze (die formal ein Frontverlauf ist) zu übertreten. Ausnahmen: besagte Sonderwirtschaftszone und spezielle Besucherbaracken in der sogenannten Joint Security Area. Diese sind für Familientreffen gedacht, die Grenze verläuft in der Mitte des Raumes. Eine Ausreise ist aber auch da nicht möglich.

    Wenn man Nordkorea besuchen möchte, muss man eine all-inclusive Tour über einen der speziellen Anbieter buchen. Die Ein- und Ausreise erfolgt dann über China. Wir hatten das eine Weile ernsthaft in Erwägung gezogen, dann aber aus diversen Gründen nicht gemacht.

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