Dschungelfieber in Xamtai

Unsere Erwartungen bezüglich einer intensiven Erfahrung in Xamtai sollten nicht enttäuscht, eher sogar ein wenig zu sehr erfüllt werden. Nach der Busfahrt über teils atemberaubende Gebirgspässe treffen wir Somsouk und planen gemeinsam unseren Ausflug.

Am nächsten Morgen geht es mit Motorrädern los, wir wollen einen nahe gelegenen Wasserfall besichtigen. Leider machen uns die fleißigen Straßenbauarbeiter einen Strich durch die Rechnung, die bereits eine Stunde früher als gedacht damit begonnen haben, die zukünftige Verbindung zwischen den beiden Hauptstädten Vientiane und Hanoi herzustellen. Zehn Meter den Hang hinauf schaufelt ein Bagger große Felsbrocken hinab, ein Abraumlaster ist nirgends zu sehen.

Somsouk schlägt vor, zurück ins Dorf zu fahren und von dort aus zu einem anderen Wasserfall zu wandern. Hier geht es jedenfalls nicht weiter, und einen festen Plan hatten wir ja ohnehin nicht.

Der Weg dorthin geht durch ein wunderschönes, lang gestrecktes Tal, über trockene Reisfelder und immer entlang eines kleinen Baches. Diesen müssen wir regelmäßig durchqueren, was wir unseren Lederschuhen nicht antun möchten. Aufgrund der Terassen ist das Gelände einfach zu begehen, daher wechseln wir auf Flip-Flops, unsere Begleiter tragen selbst auch nur Plastiksandalen.

Auf den Vorschlag, die schweren Wanderschuhe bei einem Bauern bis zum Rückweg unterzustellen gehen wir gerne ein. So können wir die Landschaft genießen, Nutztiere wie Büffel, Enten und Hühner beobachten und die kreative Nutzung der Wasserkraft bewundern, die zur Erzeugung von Elektrizität oder zum Schroten von Reiskörnern verwendet wird.

Nach gut zwei Stunden erreichen wir eine kleine Farm, wo wir eine Ente für ein später angesetztes Picknick erwerben. Allerdings ist hier noch gar nicht der Wasserfall. Ab jetzt geht es weitere zweieinhalb Stunden entlang des Flussbettes durch den Dschungel. Zumeist waten wir durch das knöchel- bis knietiefe Wasser, springen von Fels zu Stein oder passieren unwegsame Stellen über einen kleinen Pfad direkt durch den Wald. Mehrfach bevorzuge ich es zu schwimmen statt entlang eines Felsens zu klettern.

Wie man sich vorstellen kann, sind Flip Flops für dieses Terrain gänzlich ungeeignet.

Wir rutschen eigentlich bei jedem Schritt, entweder mit den Schuhen oder mit den Füßen in den nassen Schuhen. Da ist es besser, barfuß zu laufen, was auf scharfen Steinen aber auch nicht geht. Spätestens als sich mein rechter Schuh beginnt aufzulösen, empfinde ich nur noch Stress. Wie gerne hätte ich jetzt meine festen Schuhe hier, egal, ob sie danach komplett aufgeweicht wären. Aber die warten auf mich in einer Scheune, drei Stunden von hier entfernt.

So gerät der Ausflug ab hier leider etwas zur Tortour, doch frühzeitig umkehren wollen wir auch nicht. Und spätestens als wir endlich am Wasserfall ankommen, weiß ich, dass sich der Weg gelohnt hat. Das Tal ist zu Ende, über drei Ebenen ergießt sich das Wasser zu uns hinab. Das Picknick im „Lao-Style“, von großen Bananenblättern mit den Händen gegessen, ist eine mehr als willkommene Stärkung.

Lange bleiben können wir aber nicht, denn jetzt ist schon klar, dass wir erst weit nach Einbruch der Dunkelheit zurück sein werden. Wenigstens aus dem Wald müssen wir bis dahin sein, sonst wird es wirklich gefährlich – denn Lampen haben wir nicht genug für alle.

Um es etwas abzukürzen: wir gelangen alle heil zurück, obwohl ich mit nur noch einem ganzen Flip-Flop am Fuß sehr langsam vorwärts komme und viel am Fluchen bin, da jeder wackelige Schritt schmerzt. Dass sich manche Begleiter darüber auch nach fünf Stunden noch amüsieren können, trägt nicht gerade zur Besserung meiner Stimmung bei.

Das gemeinsame und sehr leckere Abendessen mit dem „Head“ des Dorfes und seiner Familie, die uns begleitet hatten, macht viele der Strapazen wieder vergessen. Es wird dank Somsouks Übersetzung geredet und gescherzt, und wir erfahren wie bereits den ganzen Tag über viele Dinge über das Land und seine Bewohner.

Was dann leider etwas sauer aufstößt: zum Abschied wird nur mir die Hand gereicht, Katrin wird wie auch bei der Begrüßung ignoriert. Bei der an mich ausgesprochenen Einladung, doch über Nacht zu bleiben ist zumindest unklar ob diese auch für sie gegolten hat – die Frau des „Heads“ spricht ausschließlich in meine Richtung. So fallen wir mit doch etwas gemischten Gefühlen ins Bett.

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Die Tour wäre mit passenden Schuhen definitiv ganz anders verlaufen. Auch so war sie dank der schönen Natur immer noch großartig, wenn auch sehr anstrengend. Ganz fantastisch wäre es, am Fuße des Wasserfalls mitten im Dschungel zu übernachten und danach ausgeruht zurück zu laufen. Somsouk war jedenfalls ein guter Begleiter, der uns alle Fragen geduldig beantwortete. Man muss auch klar sagen, dass wir die ersten Touristen waren, die je diesen Weg gelaufen sind!

Trotzdem beschließen wir, am nächsten Morgen wieder zurück zu fahren. Noch im Bus reden wir viel über die gemischten Gefühle und denken uns auf halber Strecke: vielleicht wäre es doch gut gewesen, einen weiteren Tag zu bleiben um über gewisse Dinge noch mal zu reden.

Ein Gedanke zu „Dschungelfieber in Xamtai“

  1. schön, ihr habt den Urwald überlebt und ich darf mich wieder an neuen Blogeinträgen erfreuen 😉 ich vermisse es schon sehr, wenn hier mal ein paar Tage nichts von euch kommt!
    Wobei euch natürlich Freizeit schon vergönnt sei und ihr ja auch irgendwann mal was für’s Blog erleben müsst 😉
    Ganz Liebe Grüße
    @lf

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