Geschichtsstunde in Vieng Xai

Die dramatische Geschichte des nach Unabhängigkeit strebenden und in einen Stellvertreterkrieg hineingezogenen Landes Lao hatte mich bereits bei meinem letzten Besuch sehr interessiert. Auch ich wusste davor nicht, dass einer großer Teil des Ho-Chi-Minh-Pfads hier entlang führte, dass die CIA einen geheimen Flughafen und eine Fluggesellschaft unterhielt und die US-Airforce 260 Millionen Clusterbomben im Verlauf von neun Jahren abwarf. Lao ist daher das am meisten bombardierte Land der Erde.

Während dieser Zeit versteckten sich 20.000 kommunistische Phateth Lao in der Gegend um Vieng Xai in einem ausgedehntem Netzwerk von Höhlen, und organisierten den Widerstand gegen die korrupte Regierung in Vientiane. Darüber kann man auf geführten Touren durch jene als Museum hergerichtete Höhlen sowie anhand eines begleitenden, sehr gut gemachten Audioguides eine Menge lernen.

Wir wissen nun, wie sich dort organisiert wurde, wer die Mitglieder des Politbüros waren, welche Schicksale die Zeitzeugen zu erzählen hatten, dass es sehr große Solidarität zwischen der Bevölkerung und den Kämpfenden gab – und dass auch die Landschaft durch die Bomben stark verändert wurde. Manch schöner See ist ein Bombenkrater, manch imposanter Felsen sieht nur so aus, weil wie im Bild oben die Hälfte fehlt.

Ich würde mir wünschen, dass jeder militaristische Entscheidungsträger einmal diese Führung mitmacht. Neun Jahre lang verstecken sich 20.000 Widerständskämpfer vor einem unglaublichem Dauerbombardement, zwei Milliarden Dollar werden ausgegeben, mit jeder Bombe werden mehr neue Rekruten geworben und am Ende sind tausende von unbeteiligten Menschen tot, der Krieg verloren, und das Land über Jahrzehnte mit Blindgängern im Boden verseucht.

Macht einen ganz schön nachdenklich, gerade angesichts der aktuellen Situation in Syrien.

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Trotzdem fühlt es sich natürlich sehr gut an in Lao zu sein. Das liegt einerseits an der tollen Karstlandschaft, aber vor allem an den freundlichen und entspannten Menschen. Hier werden wir tatsächlich nur aus Höflichkeit und Interesse von fremden Menschen gegrüßt und angesprochen, und nicht, um uns minderwertige Lebensmittel oder Dienstleistungen für teures Geld zu verkaufen – wie das leider in Vietnam fast ausschließlich der Fall war. Mit einer Gruppe 15-jähriger Schüler unterhalte mich eine Weile, und bin überzeugt, dass mein Englisch in diesem Alter nicht so gut war. Ihren Fragen entnehme ich, dass sie recht gut über die weltenbummelnden Backpacker bescheid wissen, das ganze aber auch ein wenig seltsam finden.

Für unsere Reise hier haben wir keinen festen Plan, außer dass wir irgendwann nach Kambodscha ausreisen wollen. Daher fragen wir Bounphanh, der uns durch die Höhlen führte, was er denn so empfehlen würde. Sein Bruder empfängt offenbar gerne „Foreigners“ und zeigt ihnen den Urwald in der nahegelegenen Provinz Xam Tai. Dafür müssen wir zwar wieder ein ganzes Stück Richtung Vietnam, und danach wieder zurück reisen, doch das ganze verspricht eine intensive Erfahrung zu werden. Erwartet keine Updates in den nächsten Tagen.

2 Gedanken zu „Geschichtsstunde in Vieng Xai“

  1. ok viel Spass im Urwald! Aber ich erwarte ein ganz dickes Update wenn ihr aus dem Urwald zurück seit und euch von Schlangenbissen erholt habt 😉

    Schöner Beitrag zur Geschichte der Region.

    Grüße
    @lf

  2. Die besten grüße an euch Weltenwanderer. Wir gönnen uns, nach langem Klinikaufenthalt eine Flußreise von Nürnberg nach Regensburg und zurück am 2. Advent . Weihnachtsmarkt und Lichterglanz. Wir brennen für euch eine Kerze an. Und komt unsim ganzen zurück.

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