Heiße Erde und kaltes Wasser

An den restlichen Tagen auf der Nordinsel sehen uns an, was die Energien unter diesem extrem dünnen und manchen Stellen herumrutschenden Erdmantel verursachen können.

Erster Stop ist das kleine Städtchen Napier, welches 1931 von einem Erdbeben komplett zerstört wurde und anschließend im Art-Déco-Stil wieder aufgebaut wurde. Ich mag diesen Baustil ja so ein bisschen – zu viel darf man hier aber nicht erwarten, das ist schon noch das kleine Neuseeland und nicht das große Paris. Einer ganzen Stadt mitten in der Weltwirtschaftskrise einen einheitlichen, damals sehr modernen und optimistischen Stil zu verschreiben bleibt ein Zeichen, welches auch heute noch beeindruckt.

Auf dem Weg zur Bay of Plenty machen wir Stopps am Lake Taupo und im nach Schwefel stinkenden Rotoura, doch die größte geologische Sensation erwartet uns in der Nähe von Whakatane: per Boot setzen wir zur unbesiedelten Vulkaninsel Whakaari über. Noch nie standen wir so direkt auf einem aktiven Vulkan! Und ein bisschen komisch ist das schon, wenn es überall dampft, teils stark reizende Schwefelgase im Hals kratzen und alles in gelb-graue Farbtöne getaucht ist. Noch dazu gab es vor gerade mal zwei Wochen einen kleineren Ausbruch, der die gesamte Insel mit einer frischen Ascheschicht bedeckte. Wir können deshalb nur auf vorbereiteten Pfaden bis zum Kraterrand laufen – man weiß ja nie, wo sich nicht noch ein Lavabrocken verbergen könnte. Welche Kräfte hier bisweilen wirken kann man dann noch schön an der bei einem wesentlich stärkeren Ausbruch im Jahr 1914 zerstörten Schwefelfabrik sehen, von der noch einige Gemäuerreste und verbogene Stahlstreben übrig sind.

Zurück am Festland machen wir uns auf den Weg zur Halbinsel Coromandel, wir noch drei Tage verbringen. Zum Beispiel an einem Strand. Bei Nebel, leichtem Regen, stürmischer See und Temperaturen um die zwanzig Grad. Und das ist hervorragend, denn es handelt sich um den berühmten Hot Water Beach, dessen Besuch uns mehrfach nahe gelegt wurde, und der an so einem Tag nur wenig besucht wird. Also schaufeln auch wir uns einen Pool in den nur bei Ebbe ausreichend frei liegenden Strand und genießen die heiße Quelle. Wobei das mit dem buddeln gar nicht so einfach ist – heiße und kalte Zuflüsse müssen ausgeglichen sein, wenn man nicht kochen oder frieren möchte. Erst als bereits stockdunkel ist und die Flut bereits die ersten Pools wieder einreißt machen wir uns als allerletzte auf den Weg zurück, um unsere Rekord-Schrumpelhaut zu bestaunen.

Schließlich wird es Zeit, sich dem zähen Verkehr der großen Stadt  zu stellen. Einen letzten Abend verbringen wir mit der Familie von P. und T., die vor ein paar Monaten Berlin den Rücken gekehrt haben und das entspannte Leben in Auckland genießen. Den manchmal etwas störrischen Campervan abzugeben macht uns dann doch wehmütig, doch es hilft nichts, der nächste große Reiseabschnitt wartet auf uns.

2 Gedanken zu „Heiße Erde und kaltes Wasser“

  1. Ja der Vulkanismus auf der Nordinsel ist schon beeindruckend. An den permanenten Schwefelgestank in Rotoura kann ich mich auch noch erinnern und der Hotwaterbeach ist ein Erlebnis.

    Liebe Grüße
    @lf

  2. White Island, Hot Water Beach, Coromandel … yep das klingt und ist alles einfach fantastisch!

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