Out of Aires

Nach zwei Wochen in der Hauptstadt schaffen wir es endlich raus in die Pampa zu kommen. Der Abschied fällt nicht leicht. Trotz der relativ langen Zeit – nirgends sonst während unserer Reise waren wir so lange an einem Ort – bleibt das Gefühl, viel zu wenig gesehen und getan zu haben. Keinen Tango getanzt, keinen Blick auf das Meer erheischt – wie konnte das nur passieren?

Dafür haben wir eines der seltenen Schlafwagen-Tickets für den Zug nach Córdoba ergattern können. Die Schiene ist in Argentinien ein eher ungewöhnliches Verkehrsmittel. Die Strecken sind, sofern nach den neoliberalen 1990ern noch vorhanden, in keinem guten Zustand. Von den Zügen liest man, dass sie alt, unbequem und kalt wären, und mit fast sichtblinden Plexisglas-Schutzscheiben vor den Fenstern ausgestattet sind. Kaum jemand denkt auch nur daran, dass man mit dem Zug fahren kann.

Eine erneute Verstaatlichung soll diesen Zustand wieder verbessern. So wurden offenbar schon mal neue Züge in China gekauft. Die sind jetzt auch keine Wunderwerke, aber auf jeden Fall beheizt und mit bequemen Sitzen und Betten ausgestattet. Da macht es überhaupt nichts, dass die Fahrt zwanzig statt zehn Stunden wie der Bus dauert. Und Schutzscheiben gibt es nur noch an den empfindlichen Notausgangsscheiben – bei den Kindern in den Vororten ist Steineschmeißen ein beliebter Freizeitspaß.

In der Stadt selbst verbringen wir einen Regentag im Museum der schönen Künste und mit einem (unkritischen) Arztbesuch. Interessant ist auch das in Alta Gracia befindliche Che-Guevara-Haus. Dort hat der spätere Held der Revolution seine Kindheit verbracht. Heute werden dort allerlei Artefakte ausgestellt, wie zum Beispiel das Motorrad seiner legendären und ihn politisierenden Südamerikareise oder der Rücktrittsbrief an Fidel Castro.

Schließlich fahren wir mit einem äußerst bequemen Schlafbus nach Salta, um endlich diese berühmten tollen Berge mit der dünnen Luft zu erleben.

2 Gedanken zu „Out of Aires“

  1. Das mit dem verpassten Tango ist nicht schlimm – dieser kommt nämlich aus Uruguy. Ebenso wie Mojica, sympathische Heilkrautgesetze UND natürlich der wesentlich erfolgreichere Fussball.

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