Reisen mit der Transsib

Transsibirische Eisenbahn – allein diese Worte auszusprechen hat schon etwas Magisches. Die längste Bahnstrecke der Welt durchquert zwei Kontinente und sieben Zeitzonen. Wir folgen ihr von Moskau bis Ulan-Ude, von wo aus wir auf die Transmongolische Strecke abzweigen werden.

Man hat ja schnell die Vorstellung, dass so eine Reise sehr teuer und luxuriös wäre. Klar kann man tausende von Euros für den Zarengold-Sonderzug ausgeben. Tatsächlich handelt es sich bei der Transsib aber um eine ganz normale Bahnstrecke, die in erster Linie von Russen genutzt wird und deren Tickets durchaus erschwinglich sind. Für die 1800 km lange und 26 Stunden dauernde Teilstrecke von Moskau nach Jekaterinburg haben wir in der billigsten Klasse zum Beispiel je 80 Euro bezahlt. Für die vergleichbare Strecke Berlin – Paris gehen die Sparpreise bei 130 Euro los, würde aber auch nur acht Stunden brauchen. Alles kein Vergleich mit entsprechenden Flügen, doch die lange Reisezeit macht einen großen Teil des Gefühls aus.

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Auf der drei Tage dauernden Reise von Jekaterinburg nach Irkutsk stellt sich jenes dann auch besonders stark ein. Wir liegen entspannt in den Kojen, betrachten die vorbeiziehende Landschaft, lesen endlich mal wieder ein Buch – und legen dabei auch noch richtig Strecke zurück. Alle paar Stunden überquert man mal wieder einen riesigen Fluss und hat eine gute halbe Stunde Aufenthalt in einer weiteren Stadt. Das reicht für ein klein wenig Sightseeing, um frische Vorräte von fliegenden Händlern oder am Kiosk zu besorgen und ein Schwätzchen mit den Mitreisenden zu halten. Ich könnte noch viel länger meine Zeit derartig verbringen.

Überraschenderweise treffen wir einige Leute wieder, mit denen wir Zimmer in Sankt-Peterburg bzw. Moskau geteilt hatten, die teils auch in größeren Reisegruppen unterwegs sind. So wird sich an den Abenden im Zugrestaurant versammelt und der Vodka fließt in Strömen. In der letzten Nacht vor der Ankunft in Irkutsk beschließen Isabell und Jannik eine Hochzeit zu feiern – obwohl sie sich gerade erst kennen gelernt hatten! Cody übernimmt das Zeremonielle, und hat wohl sogar eine entsprechende offizielle Genehmigung. Zwar in Australien, aber das spielt ja erst mal keine Rolle.

Besonders toll ist, dass sich von so viel Romantik beflügelt auch noch Lucy und Gina dazu hinreißen lassen sich das Ja-Wort zu geben. Mir ist zwar nicht ganz klar, ob die beiden auch ein Paar sind, in Putins Russland begeistert mich aber allein der subversive Akt einer gleichgeschlechtlichen Eheschließung.

Sehr interessant ist übrigens auch die historische Bedeutung der Bahnstrecke, vor allem in beiden Weltkriegen. Ich hatte viel Zeit (und eine SIM von Megafon) um mich durch die Wikipedia-Artikel über die tschechoslowakische Legion, den russischen Bürgerkrieg und der Intervention der Mittelmächte zu lesen. Wusstet ihr, dass im August 1918 unter anderem amerikanische, britische und japanische Truppen in Vladivostok landeten, um die Weiße Armee gegen die Bolschewiki zu unterstützen? Diese Ereignisse haben sicherlich die Politik der Sowjetunion beeinflusst, und wirken vermutlich auch heute noch weiter.

Wie ihr seht, macht Reisen nicht nur Spaß, es bildet auch ungemein.

3 Gedanken zu „Reisen mit der Transsib“

  1. genau richtig neidisch wird man da
    bin gerne neidisch, gucke ich ständig nach neuen Nachrichten aus dem Osten 🙂

  2. Die Bilder kann man hier jetzt auch anklicken. Da hat sich der kleine Laptop schon bezahlt gemacht – ohne den hätte ich den Bug in meinem Plugin nicht gefixt bekommen.

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