Ruinen von Angkor

Die Ruinen der Hauptstadt des alten Khmer-Imperiums zu besuchen ist einer der wenigen Fixpunkte auf unserer Reise. Die Überreste vergangener Epochen üben ohnehin einen großen Reiz aus, und hier kommt noch das Dschungel-Flair von Abenteuerfilmen hinzu.

Direkt nach der Ankunft in Siem Reap gilt es aber zunächst wieder eine Horde laut schreiender und mit allen Tricks („there is no toilet here, I will drive you to one!“) für ihre Dienstleistungen werbenden Tuk-Tuk-Fahrer zu überblicken. Wir bleiben erst mal sitzen, suchen uns ein paar mögliche Unterkünfte in Wikitravel aus und lauschen den teils obszön überteuerten Angeboten. Klar machen die paar Dollar für uns einen kleinen und für sie einen großen Unterschied, aber darum geht es nicht. Entsprechend angetan sind wir, als sich jemand zu uns setzt und sich mit ruhiger, angenehmer Stimme erkundigt, ob wir nicht einen Fahrer benötigen würden. Sein freundliches und noch dazu vernünftig bepreistes Angebot nehmen wir dankend an – was verbale Unmutsäußerungen mancher „Kollegen“ zur Folge hat, die ihre Geldsäcke davon fahren sehen.

Bory entpuppt sich nicht nur als charmanter, sondern auch als äußerst fähiger Fahrer, der gelassen jede Lücke im Gegenverkehr ausnutzt um im Stau vorwärts zu kommen. Schnell sind wir uns einig, ihn für die nächsten Tage zu engagieren. Denn die alten Tempel- und Palastanlagen sind sehr weitläufig und bei schwülen dreißig Grad hält sich unser Interesse an einer Radtour eher in Grenzen.

Drei Tage lang machen wir ausgedehnte Touren in diesem verwunschenem Freilichtmuseum. Wir lassen uns von kunstvoller Bildhauerei, imposanter Steinmetzarbeit und dem was ein paar Hunder Jahre Baumwuchs und Termitengräberei daraus gemacht haben faszinieren.

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Selbst die befürchteten Menschenmassen halten sich in Grenzen und wir finden immer mal einen ruhigen Ort zum Entspannen oder einen unbewachten Steinhaufen zum Erklimmen. Lediglich auf das Public Viewing eines Sonnenaufgangs verzichten wir – die Bilder im Internet waren schlicht zu abschreckend.

Der Massentourismus zeigt sich auch mehr im kleinen Siem Reap denn im weitläufigen Angkor. Die Zustände in der Pubstreet zum Beispiel werden in der deutschen Sprache mit dem Begriff „Ballermann“ beschrieben. Schlechte aber laute Musik, schlechte aber teure Drinks aus Plastikeimern und schlechtes Benehmen von zu vielen Menschen. Wir betrachten das Geschehen mit gebührendem Sicherheitsabstand und trinken preiswerte, mit Liebe gemachte Cocktails an einer fahrbaren Tuk-Tuk-Bar.

Nach einem letzten Abendessen mit Micha und Simon fährt uns Bory zum Flughafen. Wir verlassen Kambodscha in Richtung Philippinen, in der Hoffnung auf ausgedehntes Wasservergnügen.