Von Mahdaylayhattan ins Land der Shan

Das endlose, staubige Straßenraster von , welches der Bus vom Flughafen aus durchqueren muss wirkt erst einmal wenig einladend. In dessen Zentrum befindet sich die schlechte Replik eines im zweiten Weltkrieg zerstörten Palastes, dessen riesige Grundfläche zum größten Teil militärisches Sperrgebiet ist. Auch der Hype um den Sonnenuntergang vom mit Pagoden gepflasterten Hügel scheint übertrieben und sorgt ähnlich wie Luang Prabang oder Angkor für überfüllte Aussichtsterrassen.

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Nach einem bunten Abend im Marionettentheater fahren wir tags darauf mit einem Bus (genauer: Lieferwagen mit zwei Holzbänken auf der Ladefläche) ins nahe gelegene Maymyo / Pyin Oo Lwin. Nicht nur das Land, auch manche Orte haben in Myanmar / Burma zwei oder mehr Namen. Einst haben sich hier die britischen Kolonialisten von der Hitze in Mandalay erholt, wovon die zahlreichen Landsitze und der Glockenturm im Zentrum zeugen. Wir erkunden das alles per Motorrad und erholen uns zwischen Selfie-schießenden Familien im botanischen Garten.

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Interessant ist auch die Begegnung mit Zaw Zaw, der gerade bei einem Motorradschrauber in Lehre ist. Wir dürfen bewundern, wie sie britische BSA-Bikes wieder flott machen. Liebhaber von Oldtimern würden bei dem Anblick vermutlich das schreien anfangen, denn originale Ersatzteile gibt es keine; eher solche, die selbst hergestellt wurden. Dass der über ihn ausgehandelte Leihvertrag eher nicht so gut für uns war und das empfohlene Ziegencurry sich als dünne Brühe mit knorpeligen Brocken herausstellte – geschenkt. Die versprochenen Werkzeuge werde ich ihm trotzdem schicken.

Weiter in den Norden des Shan-Staates fahren wir mit Myanmar Railways. Die Bahnstrecke aus Kolonialzeiten lässt den Zug, gezogen von einer alten Hitachi-Lokomotive, kräftig rumpeln und schaukeln. Das Highlight ist die Querung der Goiktek-Schlucht, bevor wir unser nächstes Ziel Hsipaw erreichen. Dieses kleine Städtchen scheint sich zu einem touristischem Hotspot im Norden zu entwickeln. Es werden Flyer im Zug verteilt, am Bahnsteig warten Mitarbeiter der beiden großen Hostels, und wie wir später erfahren wird gerade an einem weiteren zehnstöckigem Hotel für Reisende aus China gebaut.

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Überhaupt scheint der chinesische Einfluss in dieser Gegend stärker zu sein. Erdgas und andere Bodenschätze werden von internationalen Konsortien in großen Mengen ausgebeutet und ins Ausland verkauft und fehlen somit der einheimischen Wirtschaft. Offenbar wurden vor der nun anstehenden Demokratisierung des Landes noch schnell alle wichtigen Deals gemacht. Es bleibt abzuwarten, welchen Spielraum die neue Regierung unter diesen Voraussetzungen überhaupt haben wird. Ohne massive Einsparungen bei Militär und Polizei, die die Hälfte des Staatsbudgets verschlingen, wird es wohl nicht gehen.

Diese und andere Einblicke in die Geschichte und momentane Situation des Vielvölkerstaates mit seinen sieben großen und mehr als hundert kleineren Ethnien erhalten wir bei einem Besuch in der ehemaligen Residenz des letzten Shan-Prinzen Sao Kya Seng und seiner aus Österreich stammenden Frau Inge Eberhard. Dieser gilt seit dem Putsch 1962 offiziell als verschollen, sie musste das Land mit den Kindern verlassen. Sehr viel später hat sie ein Buch über ihr Leben als burmesische Prinzessin geschrieben, welches 2015 für ARD und ORF verfilmt wurde. Das Anwesen wird von einem verwandten Paar bewohnt, welches gerne Besucher empfängt und detaillierte Zeitzeugenberichte zum besten gibt.

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Ebenjenes Buch kaufen wir an einem Buchstand zurück in der Stadt, eine Tat wofür man vor einigen Jahren noch sehr lange ins Gefängnis gewandert wäre. Der sehr freundliche Mr. Book gibt uns eine Sammlung alter Geldscheinen dazu und erklärt uns den numerologischen Hintergrund dazu, sowie eine Einführung in die Symbolik der äußerst abergläubischen Militärjunta. Den Anstecker der NLD hefte ich mir an die Mütze, woraufhin mir viele Begegnungen mit freundlichen Menschen ankündigt werden.

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Von diesen Eindrücken beschäftigt, die von verhaltener aber bestimmter Hoffnung für dieses so lange unterdrückte Land künden, setzen wir unsere Reise fort. Wir fahren elf Stunden lang in einem lose zusammen gehaltenen Nachtbus ins 300 Kilometer entfernte Bagan. Die große Schlucht können wir mangels Brücke diesmal nicht überqueren, sondern nur über Serpentinen hinab und wieder hinauf fahren. Dabei wird der endlose Strom aus Lastwagen ersichtlich, mit Containern oder Abraum beladen, in beiden Richtungen der wichtigsten Verbindung zur chinesischen Grenze folgend.

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