Die Fujiyama-Onsen-Bande

Die traditionellen japanischen Badehäuser werden Onsen genannt. Man entspannt sich in diversen unterschiedlich temperierten, steinernen Sitzbecken, die von einer massiven Holzkonstruktion überdacht sind, oder sich im Freien befinden. Eine Sauna und diverse Ruheräume sind auch vorhanden, sowie im Falle des Fujiyama-Onsens Massageräume und ein kleines Restaurant.

Ein guter Ort, um nach einer mehrstündigen Wanderung den „heiligen“ Abend weitab von zu Hause zu zelebrieren.

Dass ich etwas mehr als sonst während meines Aufenthalts in Japan beäugt werde, fällt mir zwar auf, aber da mit mir beim Betreten des Kaltwasserbeckens geflachst wird, gehe ich davon aus, dass schon alles okay sein wird. Doch bei einem zweiten Saunagang viel später – zwischendrin hatte ich gegessen und ein Nickerchen gemacht – werde ich lautstark aus der Meditation gerissen.

„Hey! No trance here! Hey!“
Ich öffne die Augen und versuche klar zu machen, dass mir kein Kreislaufkollaps bevorsteht.
„You! No Tattoo here! It’s not allowed!“
Ich verstehe die Worte, ein Sinn erschließt sich nicht.
„Tattoo degu! No Tattoo!“ er deutet auf ein Hinweisschild, eines der wenigen, welches ohne englische Übersetzung auskommt.
„No Tattoo!“
„Go out! Go out! Go out!“
Irgendetwas dämmert da in den Hinterkammern meines Gedächtnisses, aber ich versuche erst gar nicht zu erklären, dass das keine Yakuza-Bemalungen sind, sondern beende um des lieben Friedens willen den Saunagang vorzeitig. Er war sehr entschieden aufgebracht, und da mir von den anderen Gästen auch niemand zu Hilfe eilt, scheint er tatsächlich keinen Scherz zu machen.

Ich war ja ohnehin schon fast am Gehen, also halte ich das Abkühlen kurz und verlasse den Badebereich. An der Rezeption wird mir das ganze auf Nachfragen auch bestätigt: es ist in Japan generell nicht gestattet, mit Tätowierungen die Bäder und Saunen eines Onsens zu betreten, es sei denn man überklebt diese mit einem Pflaster.

Ich entschuldige mich für die von mir verursachte Aufregung, und bin froh, diese Lektion in kulturellen Gepflogenheiten erst ganz am Ende meines Besuches erteilt bekommen zu haben.

(Titelbild von Toshi Azwad, some rights reserved)

Ein Gedanke zu „Die Fujiyama-Onsen-Bande“

  1. Na du alter Yakuza, sowas weiß man doch. 😉
    Aber wenn die Japaner dich nicht in ihre Bäder lassen, dann müssen sie halt lernen mit einem muffelnden Rue zu leben… armes Japan
    Viel Spaß noch!

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