Flug über Moskau nach Tokyo

Ich bin ja schon sehr, sehr lange keine Langstrecke mehr geflogen. Gut 15 Jahre ist das letzte Mal her.

Ich weiß aber noch, dass mir diese aus der Decke herausfahrenden Bildschirme wie pure Science Fiction vorkamen. Da werden während Start und Landung Daten wie die momentane Flughöhe, oder die Temperatur am Ankunftsort angezeigt. Zwischendrin wechselt die Anzeige zu einer Kartenansicht mit der aktuellen Position und Flugrichtung. Während des Flugs läuft irgendein Film, den Ton bekommt man von extra ausgeteilten Kopfhörern mit Doppelklinkenstecker.

In Zeiten von GPS-Smartphones, Full-HD Flachbildschirmen und kino.to wirken diese 14-Zoll-Röhren, auf denen „Kevin allein zu Hause“ läuft, bestenfalls nur noch altbacken, schlimmstenfalls besorgniserregend, wenn während des Flugsicherheitslehrfilms analoge Störmuster das Bild verzerren.

Nach einem opulentem Dreigängemenü aus der Bordküche beschließe ich ein wenig zu schlafen, um möglichst ohne Jetlag in Tokyo anzukommen. Glücklicherweise blieb der Sitz neben mir frei, so dass ich mir sogar ein halbwegs kuscheliges Nest bauen kann. Zu den Klängen von Grizzlys AniTigerMix dämmere ich bald weg.

Am Morgen ist die Sicht aus dem Kabinenfenster atemberaubend. Schneebedeckte Berge, weite Wälder, zugefrorene, wild mäandernde Flüsse, die schon längst begradigt wären, würde sie der Mensch ganzjährig zur Schifffahrt nutzen. Doch hier gibt es kaum eine Spur von menschlicher Zivilisation, die durch ihre gerade Linien auffällt, Fremdkörper in dieser wunderschönen und feindseligen Natur. Erst eine ganze Weile später fliegen wir eine Kurve über einer größeren Stadt. Ich kann einen Flughafen, rauchende Industrie, ein Autobahnkreuz und eine Bahnlinie erkennen.

Bei strahlend blauem Himmel beginnt kurz darauf schon der Landeanflug auf Tokyo. In der Ferne kann ich deutlich den Mt Fuji erkennen, dem ich bald schon viel näher sein werde.