Nightlife in Minowa und Shibuya

In der Bar Lyphard lernte ich nicht nur Koichi, Daisuke und Akinori kennen, sondern auch den Yukiguni und den besten Whiskey Sour, den ich je das vergnügen hatte zu trinken. Es ist wirklich eine Augenweide, den beiden hinter der Bar beim Arbeiten zuzusehen. Mit ruhigen Bewegungen und hoher Präzision werden großartige Drinks und kleine Leckerbissen zubereitet. Ein anderer Blogger hat seine Erlebnisse in der Bar Lyphard sehr ausführlich beschrieben.

Nennt mich ab sofort verwöhnt.

Nachdem ich als letzter Gast hinausgekehrt wurde, und noch ein wenig mit Freunden zu Hause geskypet hatte, konnte ich das erste Mal seit Tagen länger als drei Stunden am Stück schlafen. Leider hatte das zur Folge, dass ich erst am frühen Abend wieder wach war, und den Jetlag immer noch nicht los war.

Da lag es Nahe, die Nacht durch zu machen, um früh morgens den Tsukiji Fischmarkt (Photos) zu besuchen. Die Auktionen beginnen im Morgengrauen, und ab circa 10 Uhr wird das Gelände von den Besuchermassen überflutet. Es lohnt sich also, früh dort zu sein.

GIF-Animation der berühmten Straßenkreuzung in Shibuya

Nach einigen Um- und Irrwegen verschlug es mich Shibuya. Tagsüber ein Business-, Mode- und Shoppingiertel mit der größten Menschendichte der Stadt, wurde mir zu späterer Stunde nur noch Richtung Bahnhof entgegen gelaufen.

In einer Hochbahnunterführung drangen aus einem kleinen Laden elektronische Beats, was mich aufgrund einer gewissen Vertrautheit magisch anzog. Die Musik stellte sich zwar als äußerst poppiger New-Rave heraus, und der DJ legte großen Wert darauf, zu jedem Song in seinem Mix auch das passende Musikvideo abspielen zu können, aber die Leute hatten viel Spaß, und ich kam auch recht schnell mit einigen ins Gespräch.

So lernte ich Phil, einen Banker aus London kennen, der für ein Jahr in Tokyo arbeitete, und mit seinen Freundinnen Aya und Yumi einen verlängerten Feierabend zelebrierte. Yumi erklärte mir, dass sie japanische Männer nicht besonders mag, da sie oft rüde und abwertend Frauen gegenüber wären. Mich ließ das ein wenig die Stirn runzeln – alle Verallgemeinerungen sind scheiße – aber ich sollte in dieser Nacht noch merken, was sie damit gemeint haben könnte.

Gegen 2:00 Uhr schloss der Laden leider, die anderen teilten sich ein Taxi nach Hause. Ich fragte das Personal nach einem Laden, der länger offen haben könnte, und bekam den Weg zu einer „K’s Bar“ beschrieben.

Die Straße hatte sich mittlerweile in einen multiorientierten Straßenstrich verwandelt, was mich in dieser teuren Gegend für einen Moment überraschte. Nun ja, ich hatte noch nichts gegessen, also flüchtete ich vor den (für japanische Verhältnisse) aufdringlichen Anwerbeversuchen jeglicher Couleur in ein 24-Stunden-Restaurant, und betrachtete das Geschehen bei einer großen Schüssel Nudelsuppe.

Wer Suppen mag, für den erschließt sich in Japan ohnehin ein Königreich. Es gibt sie in allen Varianten und Formen. Mit Glasnudeln, mit dicken Nudeln, mit Huhn, Tofu, Gemüse oder auch mal Pferdefleisch. Nie wurde ich von japanischen Suppen enttäuscht, und ja, sie werden laut schlürfend mit Stäbchen gegessen.

Ein wenig verunsichert ob meines Orientierungssinnes machte ich mich weiter auf die Suche nach besagter Bar, und fand sie tatsächlich einige Meter weiter. Die K’s Standing Bar ist sehr klein (kleiner als die Kreuzberger Minibar), und bietet vielleicht 10 Gästen Platz. Trotzdem wird ein Tischgeld von 300¥ verlangt – was einen Ausgleich für die zumeist eher unüblichen Trinkgelder darstellt.

Die sich unter dem Namen „Shoko“ vorstellende Barfrau war nicht nur äußerst entzückend, und lies sich auf gebrochenen Smalltalk mithilfe eines Sprachführers ein, sie mixte auch vorzügliche Drinks. Ingwer in Wodka einlegen und als Grundlage für einen Moscow Mule zu verwenden, kann ich nur empfehlen.

Weniger unterhaltsam war das fast schon klischeehafte Trio von Geschäftsleuten im Anzug, die dort öfters ihre Nächte zu verbringen scheinen, gemütlich essend, trinkend und mit der Bedienung schäkern. Ganz offensichtlich war der in der Mitte sitzende der „Anführer“, der komische Witze machte, die anderen beiden lachten brav dazu.

So versuchte er mich in gebrochenem Englisch davon zu überzeugen, dass ich Shoko doch mit den auf den Fischmarkt nehmen soll, was irgendwann in einem lautstarken „you like big tits?“ ausartete. Fremdschämen pur, vor allem wenn man statt „big breasts“, was er zuerst sagte, „big bass“ versteht, und sich schon auf ein Gespräch über Musik gefreut hatte. Sein Plan ging aber auf, denn ihr war das natürlich noch peinlicher als mir, und ihr Verhalten wurde umgehend wieder mehr barprofimäßig.

Als es dann langsam spät bzw. wieder früh genug war, machte ich mich mit einer kleinen Träne im Knopfloch und nach äußerst herzlicher Verabschiedung auf den Weg nach Tsukiji, dem angeblich größtem Fischmarkt der Welt.

Im Photoroom sind die letzten Japan-Galerien zu Chiba, Shibuya und Odaiba online.

 

Ein Gedanke zu „Nightlife in Minowa und Shibuya“

Kommentare sind geschlossen.