Queenstown

Basket of Dreams

In einer Ortschaft, die einem an allen Ecken und Enden adrenalinfördernde Aktivitäten wie das hier erfundene Bungee-Jumping, Rafting, Paragliding, Speedboating usw. anbietet, ziehe ich es vor, eine Wanderung auf den Te Tapu-nui zu machen, und anschließend mit Brett, dem Besitzer des Adventure Queenstown Hostels zwei der zahlreichen Weingüter in der Umgebung zu besuchen.

Bei Weißweinen bin ich aufgrund meines Migrationshintergrundes die sehr sauren fränkischen Silvaner gewohnt, weshalb mir die dargereichten Rieslinge viel zu süß sind. Doch der 2010er Viper’s Vineyard der Chard Farm überrascht mich mit seiner perfekten Ausgeglichenheit aus Süße, Fruchtigkeit und leicht saurem Abgang derartig, dass ich zwei Flaschen mitnehmen muss. Und ich bin nun wirklich kein Weinexperte.

Hier im Hostel kann man wunderbar entspannen, es ist sehr großzügig und gemütlich eingerichtet. Ich gebe ja nicht viel auf Branchenauszeichnungen, aber den Preis „Best Hostel of Australasia 2011“ haben sich Brett und seine (wechselnde) Mannschaft redlich verdient, noch dazu im ersten Jahr seines Bestehens. Es stimmen einfach so viele Details, dass ich gerne ein paar Dollar mehr pro Nacht bezahle – wesentlich billiger als ein vermutlich lausiges Hotelzimmer ist die Übernachtung im Vierer-Dorm immer noch.

Den Dienstag widme ich der Entspannung sowie dem Studium des PADI-Lehrbuches. Das Tauchen hat mich derart angefixt, dass ich beschlossen habe, den für bestimmte Tauchgänge notwendigen „Advanced Open Water“ Kurs gleich hinterherzuschieben. Genau genommen sind die ungewöhnlichen Tauchgänge von Diving Queenstown der Hauptgrund gewesen, überhaupt noch in das doch sehr touristische Queenstown zu kommen. Der Tip dazu kam von Nine, mit dem ich in Picton tauchen war.

Mittwoch früh werde ich von Lance ans Seeufer für den ersten 30-Meter-Tauchgang abgeholt. Das Briefing ist sehr ausführlich, und wie bei Nine merkt man sofort, dass man es hier mit passionierten Tauchern zu tun hat. Die Ausrüstung ist sogar einen ganzen Zacken besser; mit Gewichten auf dem Rücken und einem kleinerem Gürtel taucht es sich viel angenehmer, und ich kann die Tarierung richtig gut kontrollieren.

Natürlich gibt es in einem Gebirgssee nicht so viel zu sehen, wie auf einem Korallenriff. Genauer gesagt, schwimmen überhaupt keine Fische im klaren Wasser. Dafür ist das Gefühl, über einem 400 Meter tiefem Abgrund zu schweben, durchaus als außergewöhnlich einzustufen. Der Boden geht nach kurzem Abstand zum Ufer tatsächlich in eine senkrechte Wand über.

Auf dem zweiten Tauchgang begleitet mich Lances Frau und Partnerin Simone. Wir tauchen zum „Wrack“ einer durch einen Stausee gefluteten Brücke hinab. Ich mag ja ohnehin so alte Stahlkonstruktionen auf Granitsteinsockeln, doch halb verrostet, in 12-25 Meter Tiefe, bei relativ geringer Sicht im grünen Wasser, ist das wirklich einzigartig. Noch Stunden später bin ich am Grinsen aufgrund dieses angenehm grusligen Unterwasserspaziergangs.

Brett-Burger

Abends gibt es wie schon am Sonntag im Hostel ein „Community Dinner“. Der Chef lässt es sich nicht nehmen, seine massiven Brett-Burger mit 300 Gramm köstlich pfeffriger Fleischmasse und selbst gewähltem Belag zu kredenzen. Nach aufschlussreichen Gesprächen Akzente der englischen Sprache sowie einigen Gläsern Riesliing ziehe ich mich in die Koje zurück.

An meinem letzten vollen Tag in Neuseeland erwarten mich drei weitere Tauchgänge. Es hat zwar ziemlich starker Regen eingesetzt, doch nass will ich ja sowieso werden. Zuerst gilt es, dein Umgang mit einem Tauchscooter zu lernen. Die Steuerung ist mit den dicken Handschuhen etwas schwergängig, trotzdem habe ich viel Vergnügen damit, und mir gelingen Kurven, Rollen und Überschläge. Der zweite Tauchgang im Lake Wakatipu ist ein mäßig aufregender Lehrgang in Unterwassernavigation mit Kompass, aber nunmal Teil des Pflichtprogramms. Das Highlight folgt am Schluss: 5 Kilometer weit am Boden eines Flusses mit Stromschnellen, Felsbrocken und sonstigen Herausforderungen entlang zu tauchen, ohne dabei allzu viele blaue Flecken abzubekommen. Was für ein großer Spaß – und ich hatte nur die Einführungssrecke!

Den Rest des Tages verbringe ich mit Bilder sichten, im Hostel abhängen und trinke mich dabei durch ein paar lokale Biersorten. Gar nicht so schlecht, wenn man sich an die Kleinbrauereien hält.

Ich kann noch gar nicht wirklich realisieren, dass meine Reise morgen mit einem langen Heimflug beendet sein wird. Könnt ihr wenigsten so nett sein, und den Schnee in Berlin wegschaufeln?