Vang Vieng Retrospektiv

Das einstmals verschlafene Dorf Vang Vieng ist unter manchen Reisenden bekannt für sein Tubing (bei dem man in einem Reifen sitzend den Fluss hinabtreibt, und sich regelmäßig alkoholische Nachschub an einer der vielen Bars holt), sowie den für laotischen Verhältnissen langen Partynächten. Wo überall sonst, auch in der Hauptstadt, um 23.00 Uhr fast alles schließt, so wird auf der Partyinsel im Fluss von Vang Vieng die Nacht zum Tage gemacht. Das abendliche Straßenbild mit eimersaufenden Jungerwachsenen, Cafés in denen TV-Serien wie Friends laufen und die zumeist schlechte Musik sollen nicht ohne Grund an die Kaoh Sarn Road in Bangkok erinnern.

Über diese „dunkle Seite“ von Vang Vieng könnte ich mich jetzt lange und detailliert auslassen. Allein die Erinnerung an meinen „free bucket“ verursacht aber schon ein flaues Gefühl im Magen, weshalb ich es bei dem Fazit belasse: eine Nacht kann man so auch mal Spaß haben, wenn man die Scheuklappen eines Kulturbanausen aufsetzt. Für jedes weitere Verständnis fehlt mir das Ballermann-Gen.

Untergekommen waren wir glücklicherweise auf der anderen Flussseite, fernab vom Trubel, dafür mitten in der Natur in einem wunderschönen Gartenressort. Mehr als einen ganzen Tag hatte ich leider nicht mehr übrig, so liehen wir uns Fahrräder aus und fuhren drauf los, grob Richtung der sogenannten „blauen Lagune“.

Da diese Flussbadestelle überall angepriesen wird, versuchen umliegende Ortschaften davon zu profitieren, und stellen Wegweiser zu ihrer jeweils eigenen „Blue Lagoon & Cave“ auf, weshalb wir erst mal an der „falschen“, aber auch sehr schönen Stelle ins kühle Nass sprangen. Die zugehörige Höhlentour nahmen wir dann spontan entschlossen auch noch mit, was sich als gute Entscheidung herausstellte.

Wir wurden von zwei vielleicht zwölfjährigen Jungs eine dieser steilen, felsigen Berge hinauf, und in eine schmale Spalte hineingeführt. Für die circa halbstündige Tour hatten wir das perfekt Equipment dabei: Flipflops und Kamera. Jeder Schritt in dieser feuchten, warmen Höhle war ein Abenteuer; nirgends Sicherungen, keine installierten Plattformen oder ähnliches. Dafür bizarre Tropfsteine, auf denen man Percussion spielen konnte, schiefe Abhänge die in der Dunkelheit endeten, rutschige Trittflächen und winzige Engstellen zum Hindurchquetschen. Durchgeschwitzt und vom Adrenalin aufgeputscht kommen wir wieder an die Oberfläche und schauen den beiden hinterher, wie sie leichtfüßig den steinigen Hang hinunterspringen.

Die eigentliche „Blue Lagoon“ ist zwar durchaus sehr blau, da dorthin aber die verkaterten Reisegruppen hingekarrt werden, lange nicht so idyllisch. Für eine kurze Abkühlung nach der Radtour trotzdem ganz nett.

Beim nahe liegenden Bio-Projekt hatten wir leckeres Abendessen und lernten etwas über die aufkommenden Umweltprobleme, die mit dem durch ausländische Investitionen und erstarkenden Tourismus gefütterten wirtschaftlichen Aufschwung einhergehen. So wird auch in Laos der Regenwald zur Holzgewinnung geschlagen, und die bald drei großen Betonwerke in der Umgebung haben bereits eines der Felsmassive großflächig weggesprengt. Auch Plastik ist ein ernstes Problem. Bis noch vor wenigen Jahren wurden Lebensmittel zumeist in Dingen wie Bananenblätter verpackt, heute gibt es überall Plastiktüten – die dann in der Landschaft landen und mit dem Rest des Abfalls verbrannt werden.

Nach einer kettenspringenden Heimfahrt ließen wir den Abend bei einem letzten Beerlao ausklingen, bevor ich mich am nächsten Morgen auf den weiten Weg nach Auckland machte.

Bilder aus Vang Vieng, und vor allem der Umgebung, lade ich hoch, sobald ich mal an eine nicht-handygestützte Internetverbindung gelange.