Am Fuße des Kilimanjaro

Nach einer entspannten Busfahrt auf einer gut ausgebauten Teerstraße steigen wir in Moshi aus dem Bus, ignorieren die uns im umlagernden Taxifahrer und sausen mit dem Bajaji zu unserer Unterkunft „More than a drop“ davon.

Diese ist, wie der Name es verrät, mehr als eine Bleibe, sondern ein Ausbildungszentrum mit Internat für Mädchen in der Ausbildung zur Hotelfachfrau, die ihre Skills praktisch an den Gästen erproben. Ein weiteres Ausbildungszentrum wird derzeit in Sansibar aufgebaut. Von der Terrasse auf der zweiten Etage haben wir einen schönen Blick auf das Restaurant, in dem leckere vegetarische Gerichte angeboten werden, und den Garten, in dem das Gemüse für die Restaurantküche angebaut wird. In Freiluftklassenzimmern mit Überdachung erhalten die Mädchen die Theorieausbildung. Drei Mal in der Woche gehen die Schülerinnen zum Fußballtraining, bei dem es wohl recht energisch zur Sache geht.

Vom Gartenrestaurant aus soll man einen schönen Blick auf den Kilimanjaro haben und tatsächlich zeigt sich der Berg in der Abendsonne. Unser Wunsch, diesen einmal bewundern zu dürfen, geht in Erfüllung. Klar wird nun auch, weshalb viele den höchsten Berg Afrikas besteigen möchten. Von der flach ansteigenden „Coca Cola-Route“ aus scheint das einfach zu bewältigen zu sein. Dennoch sollte man den Berg nicht unterschätzen, da durch eine zu schnelle Besteigung und fehlende Akklimatisierung einige an der Höhenkrankheit erkranken, manchmal mit der Konsequenz eines vorzeitigen Ablebens. Man benötigt in etwa sechs besser sieben Tage bis zum Gipfel.

Gut, dass der Fußknöchel verstaucht ist und mich eine Erkältung ärgert, ansonsten müssten wir noch eine Tour zum Basecamp machen. So machen wir nur eine kleine Rundwanderung zu einer Höhle entlang der zahlreichen hübschen Ansiedlungen am Berg. Diese bestehen aus einzelnen Häusern, die von großen Gärten mit riesigen Avocado-, Mango- und Papayabäumen sowie Bananensträuchern umgeben sind. Das Objekt der Begierde – eine Höhle auf dem Grundstück eines Dorfbewohners – wurde von Rue nach fünf Minuten durchwandert, da man für eine weitere Erkundung auf den Bauch durch den Schlamm hätte robben müssen. Da mir der freie Himmel lieber ist, halte ich zusammen mit den sichtlich belustigten Anwohnern vor dem Höhleneingang Wache.

Moshi selbst dient als Ausgangspunkt für die Besteigung und Wanderungen auf den Kilimanjaro. Ansonsten hat die Stadt mit einem Wild West Flair kulturell wenig zu bieten. Die für uns schönsten Plätze sind das in die Jahre gekommene YMCA– Freibad mit Blick auf die Berggipfel aus dem Pool heraus, welches 1962 als Geschenk des 1. Präsidenten Tansanias erbaut wurde, sowie der Platz auf einem staubigen Doppelsofa im Backstage hinter dem Bretterverschlag einer Imbissbude mit Blick auf die Gleise am Bahnhof. Hier schauen wir mit einem gut gekühlten Kilimanjaro-Bier dem drei Mal in der Woche ausfahrenden Zug nach Daressalam nach und sehen dem Treiben auf dem Bahnsteig zu. Es tummeln sich Verkäufer, die Nüsschen, Biskits, Soda und Samosas verkaufen sowie entschleunigte Fahrgäste mit schwerem Gepäck. Die Glotze in der Outdoor-Wartehalle zeigt Soap-TV. Brettspiele wie Dame und Bao werden gezockt. Eine Durchsage ist zu vernehmen, eilig steigen die Wartenden ein, das Signalhorn der Diesellok ertönt  und schon rattert der Zug auf den morschen Gleisen in den durch das Ende der heißen Trockenzeit von Staub flimmernden Sonnenuntergang. 

Auf dem Weg zur Unterkunft entkommen wir einem Verkaufsgespräch in einem Bajaji, der uns auf Kaffeefahrt entführen wollte anstatt uns nach Hause zu fahren. Das ist mal eine kreative Strategie im Vergleich zum penetrant Hinterherlaufen und Vollquatschen. Dennoch springen wir dankend ablehnend aus dem Gefährt, um am nächsten Morgen pünktlich per Bus nach Arusha zu fahren.

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