Am Strand von Shela auf der Insel Lamu

Und täglich ruft der Muezzin – von diesem werden wir auf der Insel Lamu nach einer schaukeligen Überfahrt begrüßt. Leider ist einer der Lautsprecher defekt, so dass von einem der zwei Minarette nur ein verzerrtes Schnarren zu vernehmen ist. Flink wird unser Gepäck entladen und schon laufen wir einem Mann im Gassenlabyrinth des Örtchens Shela hinterher, der scheinbar jede Biegung kennt.

Wir gelangen zu einem Haus der hier typischen Swahili Architektur aus Muschelkalk, Korallenstein, viel Holz sowie einem Dach aus Palmenblättern. Unsere zweistöckige Unterkunft im Dachgeschoss des Hauses wird von einem offenen Dachgeschoss und einer riesigen Hängematte mit einem Rundumblick über den verträumten Ort Shela gekrönt. Da hier ein jährliches Yogafestival statt findet, schauen wir den  Workshops auf den benachbarten Dachterrassen zu. 

In Shela scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, denn Autos gibt es hier keine. Dafür stehen Esel in den Gassen herum, die als Transportmittel dienen, aber leider nicht gut behandelt werden. Immerhin gibt es seit 1987 eine Eselstation (The Donkey Sanctuary), wo diese kostenlos betreut werden. Auf der ganzen Insel gibt es drei Autos und einige Bodas, die zwischen Shela Beach und Lamu Stadt pendeln. Ansonsten wird alles per Boot transportiert. Während unseres Besuchs in Lamu Stadt besuchen wir Fort Lamu, das von 1813 bis 1821 von den Sultanen der Insel Pate sowie der Unterstützung des Oman erbaut und als Militärfestung genutzt wurde. Bis 1984 dient diese erst der Britischen Kolonialregierung, später der kenianischen Regierung als Gefängnis.

In Lamu befindet sich außerdem die 1900 erbaute Riadha-Moschee  zu der zum Mawlid-Fest, bei der die Geburt Mohammeds gefeiert wird, Pilger aus Ost-, Zentralafrika sowie der arabischen Halbinsel anzieht. Wie der Zufall es will, wohnen wir als Zuschauer dem Mawlid-Fest und schauen uns die singende und tanzende Pilgerschar an.

Das Museum, in der sich die ehemalige alte deutsche Post (1888 erbaut) des ehemaligen Prektorats Witu (Größe: ca. 40 km2) befand, ist leider geschlossen. Das Postamt mit eigenen Briefmarken für die Kleinkolonie hat die Zeit überlebt. Überlebt haben hier auch noch einig Hippies, die sich in Lamu niederließen. An der Südspitze der Insel schließt sich an den Ort Shela ein zwölf Kilometer langer weißer Sandstrand an mit einem grandiosen Blick auf den Sonnenuntergang im Westen  und gleichzeitigen Vollmondaufgang im Osten. Einen Sonnenuntergang am Meer sieht man in Ostafrika nur an wenigen Orten. Da kann man auch über den – wenigen, aber vorhandenen – Plastikmüll hinwegsehen, der in kleine Teile zerbröselt seinen Weg über den indischen Ozean gemacht hat.

An diesem Postkartenidyll verschaukeln wir die fünf nächsten viel zu kurzen Tage, bevor wir in den nächsten Propellerflieger nach Mombasa steigen.

2 Gedanken zu „Am Strand von Shela auf der Insel Lamu“

  1. Die spannende Geschichte von Witu-Land kannte ich tatsächlich noch gar nicht. Und in Shela kann man bestimmt sehr einfach länger bleiben…

  2. Shela ist wirklich sehr angenehm. Das hat schon etwas geschmerzt, da nach vier Tagen wieder mit dem Boot zum Flugplatz zu fahren. Und ab Januar muss es ja noch viel schöner sein.

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