In den Usambarabergen um Lushoto

Bei den kurzen Zwischenstopps auf dem Weg in die Usambaraberge werden wie überall in der Region diverse Waren direkt am Busfenster angeboten. Toastbrot, Softdrinks, Kekse, Erdnüsse und Kaugummis gibt es überall, manchmal hat man Glück und jemand verkauft frische Pommes, Samosa, Donuts oder Erzeugnisse der lokalen Landwirtschaft wie Netze mit mehreren Dutzend Orangen.

Eine neue Masche kreativen Geldabluchsens

Unsere Unterkunft hat den schönen Namen „Anmut“ und ist ein paar Kilometer außerhalb Lushotos an einem Hang mit tollem Blick ins Tal. Nach diversen WhatsApp-Nachrichten ist geklärt, dass wir direkt an der Straße rausgelassen werden, wo uns jemand abholen wird. Das klappt auch wunderbar und unser Gepäck wird die wenigen Meter von zwei netten Menschen in unser Zimmer getragen. Da geben wir natürlich gerne Trinkgeld; doch einer der Träger stiftet Verwirrung und verlangt plötzlich mit fadenscheinigen Begründungen relativ viel Geld. Mal wieder sind wir übertölpelt und geben es ihm. Wie sich dann später herausstellt, war jener mit uns im Bus und hat einerseits uns dahingehend angelogen, dass er für die Unterkunft arbeite und dem einen (schlecht englisch sprechenden) Angestellten des Hostels erzählte, er wäre unser Guide. Das Ärgerliche ist an solchen Vorkommnissen ja eher nicht das Geld, sondern dass dadurch gleich bei der Ankunft das Verhältnis zwischen uns und der Unterkunft getrübt ist. Im Verlauf des Tages lernen wir aber alle vier Mitglieder des Familienunternehmens näher kennen und sind uns sicher, dass diese genauso verarscht wurden wie wir. Und einen Tag später kann man über die kreative Dreistigkeit einer weiteren Betrugsmasche sowieso nur noch lachen.

Gesundheitliches Abwägen.

Mit Katrins verstauchtem Fuß sind wir hier in den Bergen eigentlich am falschen Ort. Wir machen also noch zwei Tage Pause und planen für die kommenden Reiseetappen. Noch dazu haben wir beide etwas seltsame Infekte und beschließen aufgrund der vermuteten Nebenwirkungen wie Immunsupression und ständigen Intensivträumen die tägliche Dosis Malerone abzusetzen. Falls wir uns doch Malaria einfangen sollten, können wir es immer noch kurativ einsetzen.

Tageswanderungen um Lushoto

An einem Nachmittag machen wir einen kleinen Spaziergang zum nahe gelegenen Dorf. Gestärkt von Pommes, fritiert in altem Fett, erhitzt über einem Holzkohlegrill, der aus einer alten Autofelge geschweißt wurde, laufen wir einfach ein paar Kilometer die Straße durch den Wald entlang. Ab und zu können wir kleine schwarze Affen im Dickicht flüchten sehen. Glück haben wir mit einem Schwarm Tukanen, die an einem bereits kahl gepicktem Baum direkt neben uns einen abendlichen Pausenplatz zu haben scheinen.

Tags darauf machen wir mit Emanuel aus dem Anmut als Guide sowie drei anderen Gästen aus Berlin und den Niederlanden eine Wanderung zum Viewpoint oberhalb von Lushoto. Zwischenstopps sind eine ehemalige Bauxit-Erkundungsmine aus Kolonialzeiten („Germany Cave“) und der Kigulu-Hakwewa-Gipfel (wörtlich angeblich: „kein Fuß darf hier sein“ – oder eben „Betreten verboten“, weil eben jenes eine Zeit lang den deutschen Kolonialherren vorbehalten war). Der Weg führt uns dabei durch ein Waldreservat, kleine Dörfer und Feldlandschaften, auf denen Bananen, Avocados, Papayas und anderes angepflanzt werden. Einige Schulkinder auf dem Weg nach Hause machen sich einen Spaß daraus, mir Worte für alle möglichen Lebensmittel in ihrer Lokalsprache beizubringen, die sie neben den Amtssprachen Swahili und Englisch lernen. Leider habe ich alles schnell wieder vergessen, dabei war gerade das Wort für „Essen“ sehr schön.

Schließlich erreichen wir den Aussichtspunkt mit einem atemberaubenden Blick auf die Ebene des Luengeraflusses, den wir ohne jegliche Sicherheitsabsperrung am Rand einer mehreren hundert Meter hohen Klippe genießen. Die zerklüfteten Felsen erinnern ein wenig an das Elbsandsteingebirge, nur dass hier auf manchen Gipfeln noch Platz war um eine Lodge zu bauen.

Da es auch schon spät wird und die geschundenen Füße müde sind fahren wir mit einem Taxi nach Lushoto, wo wir einige Besorgungen machen und den alten Friedhof mit deutsch beschrifteten Grabsteinen bestaunen. Zur Anmut-Lodge lassen wir uns mit Motorräden chauffieren und bewundern auf den kurvigen Gebirgsstraßen die Aussicht auf einen malerischen Sonnenuntergang. Da bleibt einem gar keine Zeit, um sich über einen etwas zu plötzlich entgegen kommenden LKW zu erschrecken.

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von der kühlen Bergluft, halten einen Bus direkt an der Straße an und fahren nach Moshi, der Stadt am Kilimanjaro.

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