Kampala City

Wir reisen einen Tag früher als geplant aus Entebbe ab, unter anderem um Marco am Samstag Abend zu erwischen. Den Kontakt zu ihm hatten wir über gemeinsame Freunde erhalten und freuen uns auf ein Treffen. Kampala ist über den neu gebauten Expressway in einer guten Stunde erreicht. Auf der großzügig dimensionierten Autobahn ist quasi kein Verkehr, was vermutlich an den wenigen Ausfahrten und der Mautgebühr liegt.

Im Stadtverkehr angekommen sieht das ganz anders aus; der Strom aus Boda-Boda-Motorrädern, Matatubussen, Reisebussen und wenigen sonstigen Autos wird nicht umsonst als „organized chaos“ bezeichnet. Unser Fahrer verirrt sich auch gleich auf dem Weg zu unserer nächsten Unterkunft und bleibt in einer festgefahrenen Matatuschlange stecken. Wir beschließen die 500 Meter durch den Trubel zu laufen. Freundliche Angebote quasi aller Boda-Boda-Fahrer auf dem Weg dorthin schlagen wir freundlich aus.

Wir checken ein, packen schnell ein paar Sachen aus und machen uns auf den Weg zum Treffpunkt. Da wir es eilig haben, schlagen wir alle vorherigen Warnungen in den Wind und fahren mit zwei Boda-Bodas. Bei so einer Fahrt ist man quasi ständig in Lebensgefahr, denn man hat keinen Helm auf und es wird jede noch so kleine Lücke im Verkehrsstrom ausgenutzt um möglichst schnell ans Ziel zu kommen. Mehr als zweimal kann ich einer Berührung nur ausweichen, indem ich mich ganz schmal mache. Bestimmt hat der Fahrer das aber exakt so geplant.

Kaum abgestiegen möchten uns zu viele und zu junge Straßenverkäufer bunte OP-Masken andrehen. Denn beim durch eine Sicherheitsschleuse gesicherten Eintritt in die Acacia Mall ist eine solche vorgeschrieben. Innen kümmert sich dann niemand mehr darum. Wir gehen hoch zum Parkdeck, denn das dort gelegene Nawab Asian Bistro ist unser Treffpunkt. Von dessen Terrasse hat man eine super Aussicht über die Stadt, ansonsten hat das relativ schick eingerichtete indische Restaurant eher nichts mit ähnlich gelegenen Orten in Berlin zu tun.

So ein Blind-Date kann ja auch komisch werden, aber das gemeinsame Essen mit Marco und seiner sympathischen Begleitung Lissy ist äußerst angenehm. Wir tauschen uns viel aus und erfahren einiges über die Mentalität und die Geschichte Ugandas. In Fußlaufweite kehren wir anschließend noch in einer Bar ein, wo wir das einzige Craftbeer Ugandas probieren: Banange. Zu den drei etablierten und durchaus trinkbaren Sorten Bell, Club und Nile ist es eine interessante Alternative.

Einen Clubbesuch schenken wir uns diesmal und lassen uns wieder per Moped durch den nächtlichen, wesentlich ruhigeren Verkehr zurückfahren.

Hotel Bukandula

Nach der Rückkehr ins Hotel finden wir eine große Pfütze in unserem Zimmer. Uns werden umgehend andere Zimmer vorgeschlagen; eines mit lauter Musik direkt unter dem Fenster oder eines mit defekter Balkontür. Wir bleiben in letzterem, und selbst dort ist die 24×7 laufende Musik noch zu hören, obwohl sie ihren Ursprung in einem Geschäft um die Ecke hat. Dazu kommt das Hämmern des Baulärms, denn die oberen Stockwerke werden gerade renoviert, und natürlich das nur spätnachts reduzierte Dröhnen des Verkehrs.

Eine Vorstellung der bizarren Art ist das Frühstück. Es ist eine Art Buffet angerichtet, von dem zwei Hotelangestellte unsere Teller und Tassen befüllen. Egal zu welcher Uhrzeit sind wir die ersten Gäste, was man ja am Zustand der Servierschalen erkennt. Nur einmal sehen wir überhaupt einen anderen Gast, der aber nicht am Frühstück teilnimmt. Nachdem wir fertig sind wird alles abgeräumt und der Saal geräumt. Warten dort wirklich jeden Morgen vier Personen plus Küche nur auf uns?

Booking.com werden wir in Uganda nicht mehr verwenden, überhaupt scheint ein einfacher Anruf das Kommunikationsmittel der Wahl zu sein.

Gadaffimoschee

Bevor der britische Söldner Frederick Lugard im Jahr 1890 auf Kampala Hill ein Fort errichten ließ, um von dort aus die umliegenden Gebiete zu „beschützen“, grasten hier die Empalas, wovon sich auch der Name ableitet. Zur Zeit Idi Amins wurde an selber Stelle der Bau einer Moschee begonnen, die aber erst 2007 nach einer Finanzierung durch seinen alten Kumpel Muammar al-Gaddafi fertig gestellt wurde. Da sie für uns fußläufig zu erreichen ist statten wir ihr einen Besuch ab.

Der riesige Kuppelbau ist in einer Mischung aus arabischen, afrikanischen und europäischen Stilen erbaut. Genutzt wird er nur zu speziellen Anlässen; die normalen Freitagsgebete finden in kleineren Räumen ein Stockwerk tiefer statt.

Das Minarett lässt sich ebenfalls erklimmen. Von dort hat man einen Blick über die Stadtteile der angrenzenden Hügel. Von jedem führt eine gerade Straße nach „Old Kampala“. Eine Altstadt braucht man sich darunter aber nicht vorstellen. Das alte Fort Lugard wurde beim Bau der Moschee umgesetzt und scheint nicht zugänglich zu sein; das Eingangstor ist wild bewuchert.

Namirembe Road und alter Taxipark

Einen Nachmittag verbringen wir mit einem Spaziergang zum Independence Monument, wobei wir zunächst durch das dichte Gedrängel der Namirembe Road hinab laufen und am alten Taxipark vorbei kommen. Wir sehen Geschäfte mit westlicher Kleidung, Handyläden, fliegende Obsthändlerinnen, singende Straßenprediger und leider auch bettelnde Kleinkinder. Im vorbeigehen werden wir öfter wohlmeinend gewarnt – wenn wir eine Tasche auf dem Rücken tragen, uns mehr als 10 Sekunden mit einem ZU freundlichen Typen abgeben oder wenn uns jemand offenbar länger zu folgen scheint.

Bei vier Freunden, die gemeinsam auf einer Bank sitzen und von mir ein Foto einfordern habe ich aber ein okayes Gefühl und komme dem Wunsch gerne nach. Das Bild schicke ich später einem ihrer Freunde per Whatsapp; längst nicht alle haben ein Handy oder gar ein Smartphone mit Datentarif.

Auffällig ist ein Quacksalber, der seine seltsame Tinktur mit antichinesischen Plakaten bewirbt. Auf diesen wird vor künstlich hergestellten Hühnereiern gewarnt, die „China“ angeblich heimlich in Afrika verkauft und die schlimme Deformationen verursachen sollen. Dazu Bilder von Menschen, die mit einem schlechten Morphingprogramm bearbeitet wurden. Ich hätte gern ein Foto davon gemacht; meine Skepsis wird aber offenbar erkannt und ein kurzer böser Blick seines Handlangers lässt mich davon abkommen.

Das schwer zu überblickende Gewimmel am alten Taxipark ist schon sehr beeindruckend. Angeblich kommt man von hier in alle Orte der Umgebung. Meine Kamera sorgt wieder für Aufmerksamkeit, diesmal möchte ein Minibusfahrer namens Faisal ein gemeinsames Bild mit seiner Freundin.

Am Independence Monument angekommen hat sich die Szenerie geändert. Mehr SUVs, weniger Mopeds, Menschen in Anzügen und Kostümen, Hochhäuser, saubere Restaurants – und alles bedeutend ruhiger und das in nicht mal einem Kilometer Entfernung. Nichts gegen Streetfood, aber heute essen wir hier zu Abend.

Für den Heimweg überlegen wir Boda-Bodas zu nehmen, doch bei dem abendlichen Verkehrsinfarkt ist Laufen einfach schneller. Auch wenn der Weg zwischen Menschenmassen waghalsigen Mopedmanövern und aufdringlich bettelnden Menschen nicht einfach ist.

Zum Thema bettelnde Kinder eine kleine Ausführung: es ist einerseits grausam, einer Gruppe wild winkender und hungrig aussehende Kinder davon zu laufen und sie dabei möglichst zu ignorieren. Andererseits ist das größere Grauen die Geschichte dahinter, denn diese Kinder werden auch von Kriminellen ihren Eltern abgekauft und zum „arbeiten“ auf die Straße geschickt. Aus diesem Grund ist es in Uganda verboten Straßenkindern Geld oder Essen zu geben. Was die jeweils wahre Geschichte ist, kann man natürlich nicht wissen und strikte Verbote helfen nichts, wenn nicht an den Ursachen gearbeitet wird. Wir stehen dem ziemlich hilflos gegenüber.

Insgesamt bleiben wir vier Tage in der Stadt, was eigentlich viel zu lange ist. Wir haben aber noch gar keine Planung für unsere Reise, was wir nun endlich ein wenig nachholen. Geplant sind Aufenthalte im Mburo Nationalpark und am Lake Bunyonyi bevor es nach Ruanda geht.

2 Gedanken zu „Kampala City“

  1. Gaddafi-Moschee, Antichinesische Quacksalber und fliegende Obsthändlerinnen. Schicker Bericht.

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