Kurzer Stop in Tanga, Tansania

Um unser Fortkommen etwas zu entschleunigen, bleiben wir für eine Nacht in Tanga und reisen nicht sofort weiter. Die Stadt wurde 1891 zusammen mit der restlichen Küste Tansanias vom deutschen Reich gekauft und als Ausgangspunkt für die Ausbreitung der Kolonie Deutsch-Ostafrika ausgebaut.

Um die Ausbeutung der Bodenschätze zu erleichtern wurde von hier die Usambarabahn gebaut. Das weitläufige Bahngelände lag viele Jahre brach, seit 2019 fahren aber wieder Güterzüge. Eine Nutzung für Personenverkehr war geplant, wurde aber aufgrund der Pandemie auf unbestimmte Zeit verschoben.

Bahnhof Tanga

Eigentlich wollte wir hier ein paar Besorgungen wie den Kauf einer lokalen SIM-Karte erledigen, hatten aber den Nyere-Feiertag nicht auf dem Zettel. Also bleibt Katrin in unserer schönen Unterkunft am Nordzipfel der Stadt und schont ihren verstauchten Fuß, während ich ein paar Meter am exklusiven Yachtclub vorbei zur öffentlichen Strandbadeanstalt laufe. Dort treffen sich in erster Linie Familien und Jugendliche und frönen den für eine solche Lokalität typischen Tätigkeiten wie Planschen, Sporteln sowie Pommes und Eis essen. Touristen dürften sich hier nur selten hin verirren, also gibt es hier auch nicht die typischen Anquatscher. Einfach mal ignoriert zu werden ist überraschend angenehm. Auch das Meer ist in dieser Bucht sehr ruhig und erlaubt es mir für eine Weile konzentriert zu schwimmen ohne von Wellen überspült zu werden.

Da sich ein schöner Sonnenuntergang ankündigt, laufe ich zurück zu Katrin und wir finden eine Stelle mit gutem Blick auf die Bucht, die ankernde Booten und den alle bunten Farben durchlaufenden Horizont.

Später erhalten wir den Tipp, dass es von Tanga eine wöchentliche Fähre nach Pemba und Sansibar gibt.

Am nächsten Morgen lassen wir uns von einem Bajaj abholen – die Tuk Tuks werden hier so genannt, nach dem indischen Hersteller – und zum weit außerhalb der Stadt gelegenen Busbahnhof fahren. Da wir noch ein bisschen Hassle mit ATMs haben (Tipp: wenn die Auszahlung mit komischen Fehlern abgebrochen wird kann es helfen, sich keine Quittung drucken zu lassen), planen wir für den Fahrer aufgrund der Umwege ein großzügiges Trinkgeld. Kurz vor der Einfahrt in den Buspark springt jemand vorne mit auf, der uns mit der Aussicht auf eine Provision einen Bus vermitteln möchte. Noch dazu bringt er den Fahrer dazu, nicht auf das Gelände zu fahren, sondern meint, es wäre besser draußen zu warten bis ein Bus kommt. Wir haben aber bereits eine Reservierung und zudem bin ich per Whatsapp in Kontakt mit der Firma, die auf dem Gelände auf uns warten. Der Taxifahrer verlangt plötzlich das Doppelte des ausgemachten Preises, obwohl er nicht mal bis zu unserem Bus gefahren ist. Wir beschließen, Katrin humpelnd mit schwerem Gepäck, einfach rein zu laufen. Der unerwünschte Ticketvermittler nimmt ohne zu fragen meine kleine Tasche („let me help you“) und läuft los; warum er nicht eher Katrin hilft, ist mir ein Rätsel, vermutlich möchte er nur irgendwie seine Provision abgreifen, obwohl er in keiner Weise hilfreich, sondern eher hinderlich war. Diese ganzen Maschen nerven und der einzige Weg diesen zu entgehen, ist es offenbar, mit manchen Menschen einfach gar nicht zu reden, also nicht einmal eine Begrüßung zu erwidern.

Aber egal, wir haben unseren vorher recherchierten Bus erwischt, der uns direkt und ohne umzusteigen nach Lushoto in die Usambaraberge fahren wird.

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