Malerischer Lake Bunyonyi

Ohne Mietwagen sind wir weiter auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Ein private car fährt uns nach Sanga und übergibt uns an ein shared taxi (diesmal: ein PKW mit vier Passagieren plus Gepäck) bis Mbururu, wo wir wiederum ein anderes, klassisches Matatu-Taxi besteigen, mit dem wir Kabale erreichen wollen.

Am Taxipark bleiben wir nur kurz, mir bleibt vor allem das seltsame Gebrüll in Erinnerung, dass dort aus einem Lautsprecher schallt. Mit überdehnter Sehne am Fuß in einem Toyota Minibus in der zweiten Reihe von insgesamt fünf Platz zu nehmen, entpuppt sich als keine so gute Idee, da nur bei der unmittelbaren Abfahrt die offiziell vorgeschriebene Maximalzahl von 14 Passagieren eingehalten wird. Wenn noch jemand am Straßenrand winkt, wird zusammengerückt und ganz schnell sitzen mehr als 20 Personen in dem Minibus, Kleinkinder nicht mitgezählt. Der Fuß schmerzt und bei einer Polizeikontrolle ertappe ich mich mit der kurzen Hoffnung, dass nun vielleicht ein paar Menschen aussteigen müssen. Die Kontrolle ist aber nach der Zahlung einer „Strafgebühr“ sofort vorbei und es geht weiter.

Vom conductor lerne ich wie man hier mit den Fingern zählt. Meine Gesten hatten schon oft für Verwirrung gesorgt. Man beginnt mit dem kleinen Finger statt dem Daumen, nimmt der Reihe nach immer einen dazu, und die Fünf ist eine Faust. Danach wird an zwei Händen mit Kombinationen aus Dreien, Vieren und Fünfen weitergezählt.

Selfie aus der dritten Reihe

Nach einer Weile, es steigen immer wieder Menschen ein und aus, werde ich immerhin umgesetzt und kann somit meine Füße ohne Verrenkungen positionieren. Nach drei Stunden erreichen wir Kabale, wo sofort eine Schmerzsalbe und Mullbinden besorgt werden.

Die Fahrt zu unserer Unterkunft erfolgt wiederum mit einem private car. Die Straße führt an Steinbrüchen, terrassierten Berghängen (die nicht alle landwirtschaftlich genutzt werden), bewaldeten Flächen, einfachen Dörfern und Luxusresorts vorbei.

Ediresa am Ufer des Bunyonyisees

Wir dagegen kommen in einem grob gezimmerten Ressort am Uferhang mit Ökotoilette, Stromausfall bei Regen und einfacher Küche unter, in dem es warmes Duschwasser einmal wöchentlich gibt, wenn ein Feuer unter einem Stahlfass angezündet wird. Statt Karbonkajaks gibt es einen Einbaum mit Holzpaddeln auszuleihen. Dieser wurde aus einem der hier prächtig gedeihenden australischen Eukalyptusbäume geschnitzt.

Die Aussicht auf den See ist malerisch und vom Einbaum auf dem See heraus noch schöner. Die Fortbewegung damit ist zunächst etwas schwierig, doch nachdem wir uns zwei Mal komplett im Kreis gedreht haben, kommen wir gut voran. Die Technik, die die Leute aus der Gegend verwenden – Könnerinnen paddeln hinten sitzend stets nur auf einer Seite -, erschließt sich uns leider nicht vollständig.

Mein Fuß ist nach zwei Tagen auch wieder belastbar, weshalb wir morgens zu einem Aussichtspunkt laufen wollen. Google Maps ist dafür leider nicht so hilfreich. Die eingezeichnete Straße entpuppt sich als direkter, steiler Fußweg quer durch Beete und Wiesen den Hügel hinauf. Nach einem Heißgetränk mit spektakulärer Aussicht von der Terrasse des schicken Acaciahotels nehmen wir einen bedeutend längeren, aber dafür weniger steilen Weg zurück.

Nachdenklich stimmen uns die Kinder, deren gesamter englischer Wortschatz offenbar aus „Hello“ und „Give me money“ besteht. Es scheint sich aber eher um ein Kinderspiel zu handeln als um existenzielle Not. Der Dorfvorsteher von Rutinda klärt uns darüber auf, dass wir da auch nicht mitspielen sollen. Besser wäre es, die Dorfgemeinschaft durch touristische Aktivitäten, dem Kauf von handgemachten Souvenirs oder direkten Spenden an die Gemeinschaftskasse zu unterstützen.

Am letzten Tag regnet es so stark, dass sich das gesamte Gelände in einen Wasserfall verwandelt. Der Beginn der Regenzeit hat sich verschoben, bzw. ist ein fester Beginn nicht mehr festzumachen. Dadurch fällt leider auch unser geplantes Essen bei einer Familie in Rutinda aus.

Auf dem Rückweg nach Kabale kommen wir wieder an den Steinbrüchen vorbei. Es wird mit einfachen Werkzeugen wie Spitzhacken, Hämmern und Eimern gearbeitet. Wir sehen viele Frauen mit ihren Kindern dort arbeiten. Leider sieht es aus dem fahrenden Auto heraus danach aus, als wären die Kinder auch in die Arbeit eingebunden, und dort nicht nur mangels Kinderbetreuung anwesend.

Zur Grenze nach Ruanda fahren wir in einem PKW-Sammeltaxi mit. Der Kofferraum wird weit über sein Fassungsvermögen beladen, und auch ganz vorne sind zeitweise drei Personen, plus einem Kleinkind, plus Fahrer zugegen. Zum Glück dauert die Fahrt nur eine knappe halbe Stunde.

Im Grenzbereich angekommen werden wir Sofort von zahlreichen zwielichtigen Typen belagert, die uns „großzügige“ Geldwechselangebote machen oder für viel Geld die 400 Meter über die Grenze mit einem Fahrrad Boda-Boda fahren wollen (daher übrigens der Name: Border to Border). Völlig unverständlich ist die Anfrage eines nach Schnaps riechenden Menschen, der mir einen offensichtlich gefälschten Ausweis sowie ein gestempeltes Stück Papier zeigt und den ich anscheinend mit über die Grenze nehmen soll.

Die Ein-/Ausreiseformalitäten sind insgesamt schnell erledigt. Auf ruandischer Seite gibt es als allererstes ein großes Handwaschbecken zu bestaunen. Die Gepäckkontrolle ist nicht besetzt; da hätte man bei uns vielleicht eine der in Ruanda streng verbotenen Plastiktüten gefunden. Die Wechselstube mit halbwegs vernünftigen Kursen wird uns von jemandem in offizieller Kleidung gezeigt. Auch ein Taxi für $10 in die 81 km entfernte Hauptstadt Kigali wird für uns organisiert. Dabei handelt es sich um ein Auto in einem vernünftigem Zustand, was nicht gleich halb auseinander fällt. Während der Fahrt auf intakten Teerstraßen mit regelmäßig installierten Blitzersäulen werden außer der Frau und dem Nachwuchs des Fahrers keine anderen Passagiere mit dazu in das Auto gestopft.

Ruanda ist anders, das fällt sofort auf.

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