Not-so-easy beachlife in Watama

Watama erreichen wir nach vier Stunden Fahrt auf der hintersten Bank eines Minibusses. Ich bewundere Rues Fähigkeiten sich trotz seiner 1,90 m Größe sich zusammenziehen zu können. Nach dem mittlerweile gewohnten Gerangel und Feilschereien mit den TukTuk-Fahrern düsen wir Richtung Strand, wo das Marijani Guesthouse und drei Hunde auf uns warten.

Zugleich inspizieren wir die Stadt. Wir kommen nicht weit und nach einem kurzen „Jambo!“ sind wir zu schon Dritt und erhalten eine ungefragte Stadtführung. Man versteht sich darauf im Kreis zu reden und die entgeisterten Zuhörer in eine abgeschiedene Ecke der Stadt zu lotsen. Im jahrelang eingeübten Lehrerjargon, gebe ich zu verstehen, dass wir keine Lust auf einen Spaziergang zu Dritt haben. Daraufhin macht er uns ein Angebot, dass wir nahezu nicht ausschlagen können. Wenn wir ihm im Laden seiner Wahl eine Packung Reis kaufen, lässt er uns in Ruhe und sagt als Sahnehäubchen auch seinen Kumpels bescheid uns in Ruhe zu lassen. Wir würden doch wissen wie das läuft, und am ersten Tag da wird man halt genervt. Das Angebot klingt verlockend, aber wenig glaubwürdig. Aus Neugier lassen wir uns zum Miniladen lotsen. Reis hat dieser nicht, aber dafür Maismehl. Ein stark schwitzende Frau nuschelt uns aufmunternd zu, das Mehl zu kaufen. Für 250 kenianische Schilling lehnen wir dankend ab. Hier ist unsere Stadtführung dann endlich zu Ende. Vor Wut schnaufend, stampft der selbst ernannte Tourguide davon. Genervt kehren wir in unser Guesthouse an den Pool zurück. 

Am Abend wagen wir einen zweiten Versuch an einen anderen Strandabschnitt. Kinder rufen uns Ciao!“ und „Caramele!“ zu. Wie wir erfahren, haben sich im östlichen Teil der Stadt vermögende Italiener eingekauft und die Einheimischen haben sich an das Klientel angepasst. Ältere sprechen in Folge des Pauschalreisetourismus aus den 90ern mit vielen deutschen Gästen noch ein paar Brocken Deutsch. Ein Komplex ging am Strand in Flammen aus und bröselt in Filetlage vor sich hin. Die großzügigen Anwesen der Briten liegen im Westteil der Stadt.

Kaum am Strand angekommen, steuern sogenannten „Flycatcher“ wie in einem Computerspiel auf zielstrebige Art und Weise auf uns zu. „Djambo!“, „Hey my friend!“, „Sister!“ oder „I´m a captain and have a boat!“ raunt man uns zu – gefühlt alle zehn Meter – vermutlich sind es aber nur fünf Meter. Falls man keine Bootstour möchte, kann man auch Souveniers kaufen oder angeblich selbstgeschnitzte Chinaware mit dem Hinweis, das man aus Somalien käme. Wir retten uns in ein italienisches Restaurant und überlegen uns eine alternative Route ins Hostel – es gibt keine. Ich sinniere, ob wir das Angebot unseres ungebetenen Guides in der Stadt nicht hätten annehmen sollen. 

Der TukTuk-Fahrer Omar, der uns in den nächsten Tagen zu einem hervorragenden Krabbenrestaurant mit einem in Ostafrika seltenen, atemberaubenden Sonnenuntergang im Mida Creek (The Crab Shak), zu den Ruinen von Gedi oder auch zum Tauchen befördert, erfahren wir, dass es sich bei den Hoberern am Strand oft um Drogenabhängige handelt, die unter anderem Heroin rauchen und von Fanta und Keksen leben. Diese und Khat kauende Souvenierverkäuferinnen tummeln sich an den nichtbewachten Stränden. Da Nebensaison ist, bekommen die Sonnenanbeter am Strand deren ungeteilte Aufmerksamkeit. Der Konsum von Khat (Mira) einer Pflanze, deren Blätter ähnlich der Kokablätter in Südamerika oder der Bethelnuss in Asien gekaut werden, sind mit ihrer aufputschenden Wirkung auf Grund der darin enthaltenen alkalischen Cathione in Ostafrika historisch bedingt akzeptiert. Da Khat den Appetit hemmt, nutzen einige Frauen diese Eigenschaft für eine Diät – so wurde mir zugetragen.

Bucht um Bucht durchwandern wir die bewachten Strände von Watama Stadt, eine schöner als die andere. Limbo- und Lambadafeeling am schneeweißen Strand mit türkisblauem Meer… Postkartenidylle, da wo der Strand gesäubert wird. In der Nebensaison begrenzen sich die Putzaktionen auf die größeren Hotelkomplexe. 

Während unserer Strandspaziergänge bewundern wir das mit buntem Plastikmüll garnierte Seegras. Von Mai bis November weht der Südostpassat und sorgt für eine unruhige See und spült das Seegras an die Strände. Ab Dezember bis April weht der Nordostpassat, mit ruhiger und türkisblauer See sowie sehr guten Sichtverhältnissen – perfektes Tauchwetter, leider nicht für uns. 

Nach sechs Jahren Tauchpause hatten wir in Diani einen Refresh im Hotelpool gewagt, um für die Watamu Bay gewappnet zu sein. Als Schönwettertaucherin habe ich die Rechnung ohne den Südostpassat gemacht, der über das vorgelagerte Riff fegt. Mit einem mulmigen Gefühl und altbekannter, aufmunternder Überredungskunst, mache ich einen Tauchgang mit. Gesagt, getan und schon hüpfe ich als letztes vom schaukelnden Boot in die Wellen, die über mich schwappen. Leider muss ich oben am Seil warten und über mir droht das auf- und abwippende Boot, von dem wir uns fern halten sollen. Das ist mir zu viel des Guten und somit befördere ich mich wieder zurück auf das Boot. Dort ist es durch den Seegang auch nicht besser. Völlig kotterig schaukele ich mit dem Boot mit und bewunderte den seefesten Kapitän. Keine zehn Minuten später taucht eine Mittaucherin auf, die neben mir kontinuierlich die Fische füttert. Ich staune über deren ungewollte Großzügigkeit. Mit grünen Gesichtern sprechen wir uns gegenseitig Mut zu. Eine Stunde später kommt Rue quietschvergnügt mit den anderen wieder auf das Boot zurück. Gedanklich schmiede ich Rachepläne für Klettertouren am Seil und verspreche mir nur noch Tauchgänge unter Aquariumbedingungen. 

Mit der Hoffnung auf ungestörten Strandurlaub im Gepäck geht unsere Reise nach Lamu Island. Auf den Weg dahin machen wir einen Abstecher zur „Hells kitchen“, einer zerklüfteten und farbenprächtigen Sandsteinformation aus weißem Kalkstein, gelbem Sandstein und rötlichem Gestein mit einem hohen Anteil an Eisenoxid. Im Inneren der Formation angekommen, wissen wir, wie diese Formation zu ihren Namen gekommen ist – die Luft kann hier leicht über 40°C ansteigen.

 

In Malindi steigen wir in ein Kleinflugzeug nach Lamu Island. Von einer Überlandreise per Bus wird uns aus Sicherheitsgründen abgeraten. 

2 Gedanken zu „Not-so-easy beachlife in Watama“

  1. Klingt alles gleichermaßen fantastisch, beeindruckend oder auch überwältigend und anstrengend. Yay!

  2. Haha, ja so ist das halt. Vermutlich in Watamu noch etwas entspannter als in anderen Urlaubsregionen.

    Das ganze Seegras und der Plastikmüll wurde übrigens noch während unseres Aufenthaltes begonnen abzuräumen um zur Hauptsaison strahlend weiße Strände bieten zu können.

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