Nyege Nyege Festival

Schon seit Donnerstag findet das jährliche Nyege Nyege Festival statt, das größte Kunst- und Musikfestival in Ostafrika. Bereits beim Rafting sind wir am Festivalgelände vorbei gekommen, welches sich an den Ufern unterhalb der unglaublich kraftvollen, beeindruckenden Itandafälle befindet.

Am Samstag beschließen wir uns das für einen Tag anzusehen. Einen Shuttleservice gibt es nur von Jinja aus, also nehmen wir ein Uber. Die regulären Taxipreise sind an diesem Wochenende explodiert und im Camp finden wir erst für den späten Abend jemanden bei dem wir mitfahren könnten. No thanks an die Gruppe die auf Nachfrage erst sagt sie hätten keinen Platz um dann jemand anderen die selbe Frage positiv zu beantworten. Während wir mit am Tisch sitzen.)

Der Fahrer ist ein sehr interessanter Gesprächspartner, der uns in der einstündigen Fahrt viel über Uganda, die vernachlässigte Ostprovinz und über die grassierende Korruption erzählt. Die 20km lange Fahrt dauert zum Beispiel deshalb so lange, weil die Straße in einem erbärmlichen Zustand ist. Angeblich gibt es seit fünf Jahren regelmäßig Mittel im Jahreshaushalt um sie auszubessern (fertig bauen wäre das richtige Wort), und diese Mittel werden auch jedes Jahr vebraucht – doch gebaut wird absolut nichts. Interessant zu erfahren ist auch, dass die Polizei in Kampala mit Taschendieben zusammen arbeitet. So soll es schon manchen gelungen sein, innerhalb kürzester Zeit ihr gestohlenes Mobiltelefon zurück zu erhalten, indem auf der Wache ein großes Theater gemacht wurde und mit dem Botschafter gedroht wurde, für den man jetzt die wichtigen Gespräche per Videocall nicht mehr führen könne.

Wie um es zu beweisen werden wir beim Abzweig Richtung Festivalgelände, also noch weit außerhalb, von einem Security und einem Polizisten angehalten, die eine „Zufahrtsgebühr“ verlangen. Als wir daraufhin ankündigen zu laufen, ist das sofort vergessen. Lediglich der Mensch in Uniform lässt ein perplexes „What? No Dollars?“ verlauten.

Irgendwann haben wir schließlich unser Bändchen und sind auf dem Gelände angekommen. Unter Nadelbäumen an einem Gewässer liegend fühlen wir uns gleich sehr wohl. Tagsüber sind manche Bühnen nicht bespielt, wir können also erst mal in Ruhe das Gelände erkunden und dabei Dinge wie einen Breakdance Battle, eine traditionelle Trommelgruppe aus Burundi, eine Open-Air-Kunstgalerie oder ein jenseits aller TÜV-Normen betriebenes Kettenkarussel erleben. Sehr auffällig sind die unzähligen Essensstände, an denen es in erster Linie alle Arten von Grillfleisch gibt. Getränke werden in Bechern ausgeschenkt oder gleich in ganzen Schnapsflaschen. Cocktails gibt es nur an wenigen kleinen Bars, von denen es ebenfalls sehr viele gibt. Später erfahren wir, dass es recht hohe Standgebühren gab, die wohl nur von wenigen wieder herein geholt wurden. Was man in Europa eher nicht auf Festivals sieht ist ein mitten im Gelände platzierter Wasserwerfer mit Überwachungskamera oder patroullierende Soldaten mit Kalashnikovs. Vielleicht eine Antwort auf die zahlreichen Diebstähle und Raubüberfälle in den ersten Partynächten. Plötzlich aus einer Ohnmacht mit einer Beule am Kopf und ohne Geld und Handy aufzuwachen, wie es einigen passiert ist, macht bestimmt keinen Spaß.

Nach einem Regenschauer vor der Dämmerung füllen sich das Gelände und die Bühnen schnell wieder und wir treffen tatsächlich ein paar Leute wieder: einerseits Marco und Renée aus Kampala und Araaf und Daniella aus Tel Aviv, die wir beim Gorillanaming getroffen hatten.

Welche Artitst des internationalen Lineups wir im einzelnen gehört haben lässt sich nicht rekonstruieren; Otim Alpha hatte immerhin den Namen auf der großen Konzertbühne und war definitiv ein Highlight. Aber auch ein nächtlicher DJ im Boilerroomkäfig mit seinem Mix aus Afrobeat, klassischem Elektro und House hat zu begeistern gewusst.

In der taz gab es einen längeren Bericht über das Nyege Nyege, in dem für 2023 einifge Kooperationsprojekte in Deutschland angekündigt werden.

So sehr es uns auch gefällt, haben wir nicht vor die Nacht durch zu feiern. Unser Tagesrythmus hat sich bereits stark in die äquatorialen Tageslichtzeiten verschoben. Kurz nach Mitternacht rufen wir den Fahrer von der Hinfahrt an, verlassen das Gelände – ungefragt eskortiert von einem bewaffnetem Soldaten – und fallen irgendwann erschöpft in die Feldbetten unseres Safarizeltes.

Schreibe einen Kommentar