Ruanda Roadtrip: Im Schatten des Vulkans

Unser letzter Stop am Kivusee ist die am nördlichen Ufer gelegene Stadt Gisenyi. Ähnlich wie bei Cyangugu im Süden geht das Stadtgebiet auf kongolesischer Seite mit der Millionenstadt Goma weiter. Hier trennt aber kein Fluss, sondern ein Grenzstreifen mit Wachtürmen die beiden Staaten. Ein wenig erinnert es schon an Berlin während der Teilung, allerdings wurden beide Städte unabhängig voneinander gegründet und sind mit der Zeit zusammengewachsen. Es gibt auch keine große Betonmauer, ein Zaun aus rostigem Altblech oder normale Ziegelmauern scheinen zu genügen.

Grenzgebiet zwischen Gisenyi und Goma

An beiden Grenzübergängen herrscht reger Verkehr; am nur für Fußgänger nutzbaren Petit barriere werden aus Altmetall geschweißte Lastenräder mit Hochsitzen als boda-to-boda Fahrzeug genutzt, damit auch Personen mit Gehbehinderung oder solche mit schwerem Gepäck die Grenze passieren können. Insbesondere von erster Gruppe scheint es hier auffällig viele zu geben. Inwiefern das mit den diversen Rebellengruppen und anderen Aufständen auf kongolesischer Seite zu tun hat, erschließt sich uns nicht. François, der Inhaber unserer Unterkunft, erzählt uns allerdings von UN-Mitarbeitern in Goma, die im beschaulichen Gisenyi wohnen und jeden Tag hin- und herfahren, weil es ihnen dort zu gefährlich ist.

Nyiragongo in der Ferne

Unbedingt sehen wollten wir aber weniger die Grenzstadt, sondern den in der Nähe liegenden Vulkan Nyiragongo, zumindest aus der Ferne. Eine Besteigung ist theoretisch möglich, aber wie bereits erwähnt mit den Problemen einer Reise in die DR Kongo verbunden. Während unseres Aufenthalts, die Regenzeit hat schon begonnen, können wir ihn leider nur hinter Wolken verborgen erahnen. Trotzdem wirkt dieser riesige, schön geformte Berg sehr bedrohlich im Hintergrund der beiden Städte. Auf die Frage, ob es einen Aussichtspunkt gäbe, von dem aus man das Glühen des mit Lava gefüllten Kratersees beobachten könnte antwortet François nur mit einem erschrockenem „Thank god not! I was here during the last eruption!“.

Ein Vorteil eines seismisch aktiven Gebiets (siehe Großer Afrikanischer Grabenbruch) ist das Vorhandensein von heißen Quellen. Eine solche gibt es auch hier in der Gegend und wir beschließen, eine kleine Wanderung dorthin zu machen. Geplant ist, dass wir immer am Seeufer entlang laufen bis wir ankommen.

Strand am Kivusee

Erstes Hindernis sind die Hoberer am Bootsanleger, die uns gerne direkt hinfahren würden. Mit einem Umweg aufgrund der Methanpipeline und der Besichtigung einer Insel würde uns das heute nur schlappe $50 pro Person kosten. Dankend ablehnen reicht nicht, einen besonders Hartnäckigen werden wir erst los, nachdem ich seine Nummer in mein Notizbuch geschrieben habe. Die eigene Nummer herauszugeben ist übrigens keine gute Idee, außer man möchte viel Spam und Scam erhalten.

Nun könnte eine längere Geschichte über einen jungen Mann erzählt werden, der – auch nach mehrfachen Nachfragen – nur zufällig den selben Weg wie wir hat und uns „nur schnell“ einen Aussichtspunkt zeigen und einfach nur ein bisschen spazieren gehen möchte. Doch das Ende genügt: Er „organisiert“ an einer anderen Stelle eine halbwegs günstige Ruderbootsüberfahrt zur heißen Quelle (der Fußweg wäre angeblich gesperrt) und erzählt während dessen was von Lösungsbüchern, die er für eine Prüfung am nächsten Tag brauchen würde. Kostenpunkt: $40 und der Buchladen wäre gleich um die Ecke da vorne im Dorf.

Da sich der „Hot spring“ als eine schwefelige Pfütze innerhalb eines Rings von Sandsäcken herausstellt und es auch noch zu Regnen beginnt fahren wir umgehend zurück und schicken den Scammer endlich weg. Beinahe wären wir noch ganz wo anders hingerudert worden, wenn wir nicht interveniert hätten.

Um diese ärgerliche aber auch lehrreiche Begegnung zu verarbeiten kehren wir in ein Uferrestaurant ein, essen und trinken eine Kleinigkeit und lassen uns anschließend von Motos nach Hause fahren.

Landschaft in West-Ruanda

Tags darauf geht es weiter in den Bezirk Musanze, wo wir den Vulkan-Nationalpark und die Zwillingsseen besuchen möchten.

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