Ruanda Roadtrip: Kivusee im Süden

Unser erstes Ziel ist Cyangugu am südlichen Kivusee. Das Stadtgebiet setzt sich über den Grenzfluss Ruzizi auf kongolesischer Seite fort und bildet dort die mehr als zehn Mal so große Provinzhauptstadt Bukavu. Für uns ist diese Grenze unüberwindbar. Reguläre Visa sind vor Ort nicht zu bekommen; teure Kurzzeitvisa zu touristischen Zwecken sind nur im Rahmen einer fest geplanten Tour möglich. Wir haben beides nicht und sowieso sind spontane Individualreisen in dieses von Kriminalität, Korruption, Rebellengruppen und ungezügelter Ausbeutung gezeichnete Land eher nicht zu empfehlen.

Blick über den Ruzizi auf Bukavu, DRK

Demnach fahren wir nur ein bisschen in der Stadt umher, bestaunen das manuelle Umladen von großen Säcken von LKWs auf Transportschiffe und kehren kurz im Terrassenrestaurant des Emeraude Kivu Resort ein. Dort hat man eine tolle Aussicht auf den See, den Fluss und die beiden Städte. Sonst hat die Gegend aber nicht viel für uns zu bieten; wir kehren also wieder um und fahren auf der ausgebauten Küstenstraße nach Norden.

Hafen von Cyangugu

Was am Straßenverkehr auffällt sind neben den vielen Fußgängern, auch zwischen Ortschaften, die sehr vielen Fahrräder, viel mehr als in Uganda. Und das in einem derart hügeligen Land. Die Fahrräder sind bis auf wenige gut ausgestattete Sportfahrer eher alte Stahlrösser, die zwar nicht mit einer Gangschaltung, aber mit einer Sitzbank ausgestattet sind. Denn neben Holzkohlesäcken, ganzen Betten oder zentnerweise Kartoffeln werden auch Personen in benachbarte Städte transportiert. Abwärts wird quasi kaum gebremst und wenn, dann geschieht das mit an den Sandalen befestigten Holzklötzen. Wenn wir mit vorsichtigen 40 km/h die Serpentinen entlanggurken kann es schon passieren, dass uns ein vollbepacktes Fahrrad zu überholen beginnt. Da ist es dann sicherer für alle, wenn wir etwas schneller fahren. Auch das Konzept der Ideallinie (im Gegensatz zur Mittellinie) haben wir schnell verinnerlicht.

Tagesziel ist die Stadt Kibuye. Da langsam die Dämmerung einsetzt und wir nächtliche Fahrten möglichst vermeiden wollen, suchen wir nach einer Unterkunft. In Google Maps vorhanden, aber von den großen und teils unglaublich teuren Ressorts verborgen (mehrere hundert Euro pro Nacht sind kein Einzelfall), finden wir Unterschlupf in einem Kinderinternat mit kleinem angeschlossenem Guesthouse, dem L’Espérance Children’s Village. Hier wird nun auch das erste Mal der Vierradantrieb benötigt. Der Schotterweg ist stark verwaschen, Schlaglöcher sind, wenn überhaupt, mit großen Steinbrocken verfüllt und ausgewaschene Rinnen notdürftig mit Holzstücken überbrückt.

Trotz später Ankunft bekommen wir noch ein sehr leckeres, vegetarisches Abendessen serviert. Die Zutaten stammen zum Großteil aus dem großen Gemüsegarten. Die Verständigung ist etwas schwierig, da nur eine Person mehr als einige Brocken englisch spricht: Yvette, die mit ihrer Tochter auf dem Internatsgelände lebt und in der Verwaltung und Buchhaltung arbeitet. Beim gemeinsamen speisen lernen wir kurz den adventistischen Pastor sowie den Koch kennen. Schulkinder sind momentan keine da, denn es sind Ferien. Das Gelände wirkt dadurch etwas verlassen, was uns aber überhaupt nicht stört. Spontan beschließen wir hier einen ganzen Tag und eine weitere Nacht zu verbringen. Mit der Ruhe und der schönen Aussicht über die Hügel lässt es sich vorzüglich lesen.

Als wir gehen, es ist Samstag, versammelt sich eine Gemeinde von circa 40 Menschen zur wöchentlichen Predigt. Alle sind im besten Zwirn gekleidet. Von Yvette mache ich einige Photos, die ich ihr später per E-Mail zusende. Wir verabschieden uns herzlich und setzen unseren Weg Richtung Norden fort.

Ein Gedanke zu „Ruanda Roadtrip: Kivusee im Süden“

  1. Da auf Facebook die Frage aufkam, ob das auf dem einen Bild ein hochmoderner Blitzer wäre:

    Ruanda hatte bis in die Nullerjahre äußerst gefährliche Straßen. Sehr schlechter Zustand, viel Raserei, Trunkenfahrten – das bei überall sehr kurvigen Strecken führte zu vielen Toten und Verletzten.

    Dann wurde von der Regierung ein großes Programm durchgeführt. Die Straßen wurden erneuert und sind auf den wichtigen Verbindungen in einem Top Zustand. Zusätzlich wird sehr rigoros kontrolliert, also ja: das sind Blitzer, die an sehr vielen Stellen stehen.

    Die Polizei oder andere Ordnungshütende können mit einer Handyapp via Kennzeichen das aktuelle Strafkonto prüfen und kassieren dann sehr schnell ab.

    Wir wurden immer mit einem freundlichen „you are lucky, you have zero!“ begrüßt ?

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