Ruanda Roadtrip: Kivusee im Westen

Die hinter malerischen Uferhängen gelegene Stadt Kibuye wirkt ein wenig ausgestorben. Es ist unklar, ob es an der auslaufenden Saison oder der nach der Pandemie erst langsam wieder anlaufenden Reiselust liegt.

Wir mieten uns eine kleine Hütte mit Blick auf den See und ein Elektrizitätswerk im Kleinresort Rwiza Village. Dank der ruhigen Atmosphäre bei angenehmen Temperaturen und abendlichen Tropengewittern können wir weiter schön entspannen und lesen.

Akzeptieren muss man aber auch hier die augenfällige Ungleichheit der ruandischen Gesellschaft. Während einige Familien von der Arbeit mit den Touristen profitieren und ein großes, von Mauern und Stacheldraht gesichertes Grundstück bewohnen sowie mit einem modernen SUV die holprige Straße befahren, wohnen ihre Nachbarn in kleinen Hütten, betreiben Subsistenzwirtschaft und müssen ihr Trinkwasser aus dem See oder einem öffentlichen Wasserrohr abfüllen, welches ein dünnes Rinnsal bereit stellt.

Wir unternehmen kleine Ausflüge, zum Beispiel zu einer Seidenspinnerei, die sich aber gerade im Modus „Maulbeersträucher pflegen, damit die nächsten (angelieferten) Raupen was zu fressen haben“, befindet und daher weniger spannend ist. Bis auf ein paar Kokons zu Ausstellungszwecken und leeren Hallen mit stillstehenden Maschinen gibt es nicht, zumindest bis der nächste Zyklus beginnt.

Das Umweltmuseum war da schon interessanter, auch wenn die Ausstellung eher an ein Schülerpublikum gerichtet ist. Wir bekommen einen schönen Überblick über Geographie, Fauna und Flora Ruandas sowie über die Ideen zur zukünftigen Gestaltung des Landes. Zum Beispiel soll die bereits bestehende Methanausbeute im Kiwusee ausgebaut werden, um noch mehr Bevölkerungsteile mit selbst produzierter Elektrizität zu versorgen. Eine futuristische Grafik zeigt Kigali als neues Singapur mit Hochhausschluchten und einer Ringautobahn.

Zukunftsvision für Kigali

Fledermausinsel

An unseren letzten Tag machen wir noch einen Bootsausflug zur aufgrund ihrer hutähnlichen Form „Napoleon Island“ oder aufgrund einer riesigen Flughundpopulation „Bat Island“ genannten Insel. Ich frage mich, wie viele derart genannte Inseln es wohl weltweit geben mag.

Auf Instagram hatte ich dazu eine kleine Story gepostet und das sagt eigentlich auch alles über diesen Ausflug. Man wird hingefahren, bestaunt tausende von quietschenden Fledermäusen in den Bäumen, erklettert den Berg, bestaunt den Ausblick zur kongolesischen Seite und fährt wieder zurück. Mit etwas „Glück“ kann man einen Bauern dabei beobachten, wie er seine Kühe durch den See scheucht, damit sie schwimmend eine andere Insel erreichen.

Aber ein bisschen typischer Tourikram darf ja auch sein.

Am Ufer angekommen steigen wir wieder in den Toyota ein und fahren weiter Richtung Gisenyi, der zweitgrößten Stadt Ruandas.

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