Safaris im Mburo National Park

Die Fahrt mit Trinity Bus durch das Chaos von Kampala in den kleinen Ort Sanga in der Nähe des Lake Mburo National Parks verläuft zunächst sehr entspannt.

Leider hat der „turn boy“ (Schaffner und Beifahrer) nicht auf seinen Zettel geschaut und hält dort einfach nicht! Bis wir ihn überzeugt haben, dass wir da wirklich raus wollen, sind wir schon ein paar Kilometer außerhalb von Sanga. Der Bus hält, es wird der nächstbeste Bodafahrer angehalten und wir laden unsere Rucksäcke neben vorbei rasenden LKWs mitten auf dem Highway aus. Schließlich fahren wir zu dritt samt Gepäck die wenigen Kilometer zurück und werden direkt von einer hungrigen Meute private car drivers umringt. Wir müssen sehr aufpassen, dass unser Gepäck nicht einfach eingeladen wird und dabei gleichzeitig die utopischen Preise herunterhandeln. Unser altes Reisewissen von wegen erst einmal irgendwo etwas essen oder trinken und die Situation begreifen und dann einen Fahrer anheuern war in dieser chaotischen Situation vergessen.

Irgendwann hat uns der über beide Ohren strahlende Fahrer bei unserer Unterkunft abgeladen. Die nächsten vier Tage verweilen wir in der wunderschönen Hyena Hill Lodge von Tom und Maria. Auf einem Hügel gelegen hat man einen tollen Blick über den Nationalpark bis zum See. Unsere schön eingerichtete Hütte ist zwar noch nicht an die Elektrizität angeschlossen, punktet dafür aber mit solargewärmtem Duschwasser und einer Aussichtsterrasse.

An den nächsten beiden Tagen werden wir an zwei kleinen Safaris teilnehmen, bei denen wir von Guides aus der Umgebung begleitet werden. Zunächst machen wir an einem Abend mit Fred einen Spaziergang durch die umliegenden Dörfer und die an den Nationalpark angrenzende Landschaft. Am frühen Morgen danach schwingen wir uns auf Mountain Bikes und fahren mit Stefan bis zum Seeufer, wobei uns zusätzlich ein bewaffneter Ranger begleitet.

Was wir an den beiden Tagen gesehen und gelernt haben, fassen wir im folgenden thematisch zusammen.

Bananenanbau

Da Bananen sehr gut mit monatelanger Trockenheit klar kommen und keine Bewässerung benötigen, sind sie ein weit verbreitetes Lebensmittel zur Selbstversorgung. Um eine regelmäßige Ernte zu haben wird darauf geachtet, dass es immer Stämme gibt, die Früchte tragen und weitere, die bereits in verschiedenen Stadien nachwachsen. Jeder Stamm trägt nur einmal Früchte, wird danach gefällt und sorgt direkt für Kompost. Manchmal werden zwischen den Bananen auch Buschbohnen angepflanzt, da diese sich gut ergänzen.

Neben den bekannten süßen Bananen gibt es auch Kochbananen und solche die zum Bierbrauen verwendet werden.

Elefanten

Vor vielen Jahren kamen in diese Gegend noch Elefanten vorbei. Mittlerweile sind ihre Wege hierhin abgeschnitten. Es lebt niemand mehr, der sich an sie erinnern kann.

Anubispaviane

Je länger die Trockenzeit dauert, und hier hat es seit vier Monaten nicht mehr geregnet, desto schwieriger wird für diese die Nahrungssuche. Sie begnügen sich dann auch mit Kaktusstengeln und halten sich näher an den Dörfern und Feldern auf. Zum Schutz vor diesen und anderen wilden Tieren werden dichte Hecken gepflanzt und mit Zäunen verstärkt. Zusätzlich müssen nachts Wachen aufpassen, dass nicht doch noch eine Herde durchschlüpft und die wertvolle Ernte vernichtet.

Zebras haben wie Pferde nur einen Magen. Bei der Verdauung sammeln sich daher viele Gase in ihrem Körper an. Wenn sie dann plötzlich fliehen müssen, sind laute Fürze zu hören. Mit ihren feinen Haaren und dem für Facettenaugen verwirrenden Muster wehren sie erfolgreich Mücken ab. Zecken und andere Parasiten werden ihnen von Vögeln ausgepickt.

Das Muster jedes Zebras ist einizgartig wie ein Fingerabdruck. Junge Zebras haben braune statt schwarze Streifen.

Der Buschbock wird so genannt, weil er bei Gefahr in den Busch flüchtet.

Warzenschweine sind Vegetarier, ansonsten europäischen Wildschweinen nicht unähnlich.
Sie haben ein relativ kurzes Erinnerungsvermögen, was sich Predatoren wie Jaguare zunutze machen. Sie rennen ihnen kurz hinterher, verstecken sich und warten bis die armen Schweine wieder zurück zur selben Stelle laufen, wo sie dann eine böse Überraschung erleben.

Zwergmangusten richten sich gerne in Termitenhügeln ein. Sie bleiben für ein bis zwei Wochen an einem Ort und ziehen dann weiter. Die Gruppen werden von einem Weibchen angeführt.

Impalas sind in Uganda sehr selten, am Mburo sieht man sie aber recht häufig. Jede Herde besteht aus einem Männchen und seinem Harem an Weibchen. Die in Führungskämpfen unterlegenen Männchen jedweden Alters bilden ebenfalls gemeinschaftliche Gruppen. Wir sehen beide Konstellationen, also Gruppen ohne Hörner (bis auf einen) und Gruppen nur mit Hörnern.

Rothschildgiraffen wurden vor einigen Jahren aus einem anderem NP hier angesiedelt und vermehren sich seitdem prächtig. Sie haben im Park keine Feinde und kommen an Blätter, die sonst niemand erreicht.

Flusspferde halten sich tagsüber im flachen Wasser auf um sich vor der Hitze zu schützen und in Ruhe wiederzukäuen. Nachts gehen sie an Land um zu grasen. Eine nächtliche Begegnung gilt es zu vermeiden, insbesondere wenn man ihren Weg zurück zum Wasser kreuzt. Sie können äußerst aggressiv werden, bis zu 30 kmh rennen und reißen einen Menschen mit ihrem riesigen Maul problemlos in Stücke.

Die Geburt der Jungen findet außerhalb der Gruppe statt. Wird ein Weibchen geboren stellt die Mutter es kurz nach der Geburt der Herde vor. Ein Männchen lässt sie dagegen in einem Versteck an Land zurück und zieht es heimlich auf. Der Leitbulle würde seinen Sohn ansonsten sofort töten. Da die Herrschaftskämpfe nicht wie bei den Impalas lediglich mit der Ausstoßung des Verlierers, sondern oft mit dessen Tod enden, muss man das wohl als einen Akt des Selbstschutzes betrachten.


Nach vier interessanten und tiefenentspannenden Tagen packen wir wieder unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg Richtung Südwesten. Blöderweise knicke ich kurz vor der Abfahrt mit einem Fuß um und kann nur noch mit nervigen Schmerzen laufen. Es bleibt abzuwarten wie sehr das unsere Pläne beeinträchtigen wird.

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