Wanderungen in den Ngorogoro Highlands

Da jegliche Unternehmungen in den Nationalparks wie der Serengeti mit erheblichen Kosten verbunden sind, und wir in Uganda ja bereits viele wilde Tiere gesehen haben, hatten wir derartiges bereits abgeschrieben. Andererseits wäre es auch doof, so nah an diesen Naturwundern einfach wieder weg zu fahren. Daher hören wir uns nach Wandertouren um und buchen drei Tage mit verschiedenen kleinen Wandertouren im und um den Ngorogoro-Nationalpark. Gestartet wird das ganze von Arusha aus.

Tag 1: Durch den Dschungel zum Kraterrand

Wir stehen früh auf und treffen zum Frühstück unsere beiden Begleiter; Adam wird der Fahrer des Toyota Landcruisers sein, Ramadan ist Koch und sorgt demnach für das leibliche Wohl. Die eigentlichen Wanderungen machen wir mit Guides aus der jeweiligen Gegend.

Die erste Wanderung führt durch einen relativ dichten Dschungel hoch zum Kraterrand. Begleitet werden wir von einem bewaffnetem Ranger und einem Guide. Ersterer läuft immer ein ganzes Stück vorne weg um uns einen sicheren Weg zu ermöglichen; der Guide scheint aufgrund der drückenden Hitze nicht viel Lust auf die Tour zu haben. Ständig ist er eher in der Nähe des Rangers, bleibt manchmal stehen, ruft uns aus fünf Metern etwas bezüglich einer Pflanze oder eines Vogels zu und läuft weiter, bevor wir etwas gesehen haben.

Interessant war die sogenannte „Elefantenhöhle“; an einem Hang im Wald sieht man Grabungsspuren in Form von tiefen Furchen. Diese stammen nicht etwa von Menschen, sondern von Elefanten und Wasserbüffeln, die hier nach wertvollen Spurenelementen wie Eisen und Kalzium graben. Einmal freigelegt, bedienen sich auch viele andere Tiere. Paviane kommen hier täglich vorbei, Büffelherden einmal im Jahr während ihrer großen Wanderung.

Tatsächlich begegnen wir auch einmal einer kleinen Gruppe Elefanten, die im Wald friedlich am grasen sind. Aus circa 15 Meter Entfernung können wir für eine kurze Beobachtung stehenbleiben, werden aber schnell weiter geleitet. Immerhin sind da auch Jungtiere dabei.

Insgesamt eine interessante, aber auch sehr anstrengende und streckenweise eintönige Erfahrung, die durch die unmotivierten Begleiter nicht besser wird.

Belohnt werden wir mit dem fantastischem Blick in den Ngorongoro-Krater, der größten erhaltenen Kaldera der Welt. 610 Meter unter uns erstreckt sich eine traumhafte, von Menschen unberührte, 260 km² (75 Tempelhofer Felder) große Naturlandschaft, die von unzähligen Tieren bewohnt wird. Hier kann man tageweise Gamedrives machen, Wanderungen zu Fuß sind leider nicht möglich. Man möchte aber auch keinem Rudel wilder Löwen zu Fuß begegnen, die hier neben den anderen Big Five zu Duzenden umherziehen.

Übernachtet wird auf einem Zeltplatz in einem Safarizelt mit Feldbetten, unter einem wunderbaren Sternenhimmel. Auf elektrische Beleuchtung kann leider nicht ganz verzichtet werden, schließlich hat niemand Lust darauf, beim abendlichem Toilettengang einem schlecht gelaunten Büffel oder einem hungrigen Leoparden zu begegnen. Die grasenden Zebras und frechen Paviane genügen völlig.

Tag 2: Zwei weitere Krater

Nach dem üppigem Frühstück fahren wir zunächst eine Stunde am Kraterrand entlang – ja, so groß ist der – um dann in das Gebiet des Olmotikraters zu kommen. Die Hochebene mit Gebirgsketten im Hintergrund erinnert ein wenig an die Westmongolei in der Nähe des Altaigebirges. Wir schlagen unser Lager auf einem Campground nahe eines Maasaidorfes auf. Für die Wanderung hinauf auf den Olmoti begleitet uns jemand aus eben jenem. Das ganze ist aufgrund seiner ruhigen Art und der erträglicheren Temperaturen eine viel angenehmere Erfahrung. Oben angekommen öffnet sich der Blick auf grüne Hügel, durchzogen von einem Bach, der sich in einem Wasserfall ins Tal ergießt. Ein Hirte aus dem Dorf lässt dort seine Rinder weiden. Man könnte einen ganzen Tag auf diesen Hügeln verbringen um die ganzen Aussichten zu genießen. Doch wir haben noch Programm auf dem Plan und machen uns nach einer halben Stunde wieder auf den Rückweg.

Nach kurzer Erhohlung fahren wir über die Hochebene zum Empakaii Krater, an dessen Grund sich ein Natronsee befindet. Dieser ist zwar viel kleiner als der Ngorogoro, die Aussicht ist aber nicht minder atemberaubend. Da sich hier auch keine gefährlichen Wildtiere tummeln, laufen wir zu Fuß hinab durch die gleißende Hitze. Leider haben einige Waldbrände die Vegetation dezimiert, weshalb es unterwegs nur wenig Schatten für uns gibt. Unten angekommen wird uns der große Schwarm Zwergflamingos erst richtig bewusst. Diese Vögel halten sich gerne in Salzseen auf und wühlen im Schlamm nach Schnecken und anderer Nahrung. Auf dem salzverkrusteten Strand zu laufen ist ein seltsames Gefühl, besonders Barfuß. Ich kann es mir nicht verkneifen, zumindest ein paar Meter ins Wasser zu laufen. Außerdem möchte ich meine Mütze vom Staub befreien, was in dem laugigen Wasser überraschend gut gelingt.

Auch hier könnte man noch viel mehr Zeit verbringen, zum Beispiel einmal um den ganzen See herum laufen; vom anderen Ufer aus müsste man sogar den aktiven Vulkan Ol Doinyo Lengai sehen können. Wir laufen aber wieder zurück und begegnen dabei einer Gruppe Ranger mit Helfern, die mit einigen Eimern bewaffnet offenbar die weiterhin schwelenden Brände löschen möchten.

Diese Brände werden vermutlich von in der Ebene siedelnden Maasai gelegt, die dieses Verfahren in ihrem Weidegründen anwenden, um vertrocknetes Gras zu entfernen, in der Hoffnung auf besseren Frischwuchs beim nächsten Regen. Das ist ein genereller Konflikt im Norden Tansanias; einerseits beanspruchen die relativ ursprünglich lebenden Maasai immer mehr Land (in dieser Gegend sind sie erst seit den 1970ern), andererseits sollen die Nationalparks geschützt werden, damit die ansonsten gefährdete Fauna und Flora ungestört bleiben kann.

Übernachten können wir am Kraterrand leider nicht, bzw. wird uns stark davon abgeraten. Es gibt kein geschütztes Camp und in der Vergangenheit kam es zu unschönen Vorfällen in der Nacht.

Also geht es zurück ins Camp, wo wir an einem Lagerfeuer das köstliche Abendessen genießen. Außer uns gibt es keine weiteren Gäste, wenig künstliches Licht und einen schönen Blick auf die Milchstraße.

Tag 3: Kaputter Wald und Kulturtheater

Am letzten Tag fahren wir zum Nationalpark am Manyara See – nicht ohne einem weiteren kurzen Halt am Ngoroboro Aussichtspunkt, dieser ist einfach zu beeindruckend um einfach daran vorbei zu fahren.

Am Startpunkt angekommen geht es, wieder bei brennender Sonne, durch staubtrockenes Geröll, bis wir einen tollen Blick auf die Kante des Ostafrikanischen Grabenbruchs bekommen. Nach einem Stopp an einem sehr großen Baobab-Baum erreichen wir den bewässerten Teil der Stadt, und der Kontrast zwischen grau und grün könnte nicht klarer sein; farblich und vom Mikroklima her. Angebaut werden auf den Parzellen in erster Linie Bananen, ab und zu sorgen Ziegen für biologischen Dünger. Ein kurzer Besuch in einem „Artist Village“ hinterlässt einen eher schalen Beigeschmack; die Ebenholzarbeiten sind Teils sehr hübsch, aber das planlose Geklöppel was uns als Handwerk präsentiert erscheint nicht sehr authentisch. Dafür sind die Preise gepfeffert und man sollte gut verhandeln; 10-20% der Startpreise sind realistisch.

Nach einem vielseitigen Mittagessen steht noch eine Wanderung ans Seeufer des Manyara auf dem Plan. Leider ist das – Überraschung – gar nicht möglich, denn im letzten Jahr gab es eine große Überschwemmung, die den Wald am Ufer des natronhaltigen Gewässers in einen alkalischen Sumpf verwandelt hat, in dem alle Bäume abgestorben sind. Dieser apokalyptische Anblick ist durchaus interessant, trotzdem ist auch dieser Guide wieder eine Enttäuschung und scheint weniger an den für uns interessanten Naturbeobachtungen, als an für ihn günstigen Einrichtungen mit Kommissionsgelegenheit interessiert zu sein. Da passt es ins Bild, dass er plötzlich besseres zu tun hat und uns seinem Trainee für den Rückweg zum Treffpunkt überlässt.

Ein richtiges Touritheater bekommen wir auf dem Rückweg nach Arusha geboten. Einige Maasaidörfer haben sich darauf spezialisiert, den aus den Nationalparks zurückkehrenden Safariautos einen kleinen Einblick in ihr Leben zu geben. Man bekommt einen Stock in die Hand gedrückt, etwas typischen Stoff und Schmuck übergeholfen und dann wird kurz getanzt und gesungen. Im Dorf kann man kurz eine der winzigen, dunklen Hütten aus Lehm und Kuhdung begutachten, bevor es zum groß angelegten Shop geht, wo einige Frauen hinter Holztischen diversen Nippes verkaufen. Angeblich alles selber gemacht, leider sind es die selben Artikel die einem überall von fliegenden Händlern unter die Nase gehalten werden. Ich verkneife mir die Frage, ob sie das Knicklichtarmband auch selber hergestellt haben. Ganz zufällig ist auch gerade noch „Unterricht“ in der Vorschule, aber auch das ist nur eine Show, die uns dazu animieren soll etwas Geld in die Kasse zu stecken. Gelernt haben wir bei diesem Kurzbesuch eher etwas über die Degenerierung als die Erhaltung einer ursprünglichen Kultur.

Fazit

Wir hatten uns sehr kurzfristig zu einer kleinen Tour entschlossen, bei der wir vor allem Natur ohne Gamedrives erleben wollten. Das hatten wir auch zum großen Teil, leider scheint es auch bei einer individuell gebuchten Tour nicht ohne Nepp und teils unmotivierter Guides zu gehen. Schade, denn die Natur ist wunderbar, und unsere beiden Begleiter haben alles getan, um es uns so angenehm wie möglich zu machen.

Olmoti Krater

Umfangreiche Bildergalerie in der Photostation

Nach einer weiteren Nacht in Arusha planen wir am nächsten Tag mit dem Zug nach Daressalaam zu fahren.

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