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Ruanda Roadtrip: Nyungwe Nationalpark

Um die ländlichen Regionen Ruandas zu erkunden mieten wir uns für die nächsten zwei Wochen ein Auto. Die Straßen sind in einem sehr guten Zustand, es gibt im Vergleich zu Uganda weniger Verkehr und es wird vernünftiger gefahren. Nicht zuletzt dürften dafür die regelmäßig positionierten Radartürme sorgen. Ein Auto mit Vierradantrieb ist trotzdem angesagt, denn manchmal muss man zumindest für kurze Wege die ausgebauten Straßen verlassen. Geworden ist es ein Kompakt-SUV von Toyota, ein 2008er RAV4 VVT-i.

Fahrerin Katrin

Nach den Museumsbesuchen im ehemaligen Königspalast in Nyanza und im ethnographischen Museum in Huye zieht es uns in die Natur und wir fahren in den Nyungwe Nationalpark. Er gilt als eines der größten erhaltenen Bergregenwaldgebiete Afrikas und setzt sich nahtlos im Kibira Nationalpark im südlich angrenzenden Burundi fort. Das klingt erst mal viel, und 1000 km2 Fläche ist auch nicht wenig, allerdings ist man auf der den Wald querenden Bergstraße in einer guten Stunde von einem Ende zum anderen gefahren. Auf dieser begegnen uns regelmäßige, schwer bewaffnete Infanteriepatroullien der ruandischen Armee. Auch wenn es immer wieder Bemühungen zur Entspannung gibt, befinden sich Burundi und Ruanda in einem Konflikt bei dem gewaltsame Ausbrüche nicht ausgeschlossen sind.

Dichter Bergregenwald

Wir kommen in einem familiären Guesthouse in Gisakura am westlichen Rand des Nationalparks angenehm unter und starten von dort aus drei Ausflüge. Hier essen wir auch abends. Das dauert zwar immer mindestens eine Stunde bis man es bekommt, dafür ist alles frisch zubereitet und kurz vorher auf dem kleinen Markt im Dorf eingekauft.

Markt in Gisakura

Tag 1: Canopy Walk

Brücke auf Baumwipfelhöhe

Da mein Fuß immer noch nicht 100% intakt ist und wir auch sonst eher etwas außer Form sind, nehmen wir uns am ersten Tag nur eine kurze Tour vor. Alle Wanderungen sind hier nur zu bestimmten Zeiten in einer geführten Gruppe möglich. Der Canopy Walk ist der teuerste und gleichzeitig der beliebteste Ausflug. Hierfür gibt es sogar Tagestouren von Kigali aus und auch ohne besondere Fitness kann man auf einer sehr hohen und langen Hängebrücke das atemberaubende Regenwaldpanorama genießen und ist nach nicht mal zwei Stunden wieder am Ausgangspunkt zurück.

Tag 2: Nature Walk

Angespornt vom Vortag laufen wir diesmal circa vier Stunden tief in den Regenwald hinein bis zu einem Wasserfall und auf einem Rundweg zurück. Auch hier kann man die fast geschlossenen Baumkronendecke bewundern, diesmal aber auch von unten. Dort herrscht schon eine besondere Atmosphäre und wir bewundern die groß gewachsenen Farne und Mahagonibäume. Neben vielen Vögeln und einigen Insekten begegnen uns eher wenige Tiere; allerdings kreuzt einmal eine neongrüne Viper unseren Weg.

Von unserem Guid „Amie“ erfahren wir, dass sich im gesamten Wald eine Schlingpflanze ausbreitet. Diese wächst an Bäumen hoch bis diese komplett überwuchert sind und anschließende stirbt der Baum und verrottet. Faszinierend an diesen Pflanzen ist, dass sie einmal alle 15 Jahre blühen und dann die ganze Gegend in eine weiße Pracht verwandeln. Das nächste Mal soll es in zwei oder drei Jahren wieder so weit sein. Andererseits zeigt sich hier auch das Problem menschlicher Konversation. Denn dem Wald in seinem jetzigen Zustand fehlen zwei wichtige Bewohner, die im zwanzigsten Jahrhundert komplett ausgerottet wurden: Wasserbüffel und Waldelefanten. Beide würden diese Pflanzen in großen Mengen fressen und so ihre Ausbreitung eindämmen. Da dies aber nicht passiert wird von manchen befürchtet, dass in ein paar Jahrzehnten keine Bäume mehr vorhanden sein würden. Es wird daher über die erneute Ansiedlung dieser beiden Tierarten nachgedacht.

Von Schlingpflanzen befallener Mahagonibaum

Tag 3: Birding Walk

Im westlichen Teil des Nationalparks kann man mit einem vogelkundigem Guide die Welt der gefiederten Freunde erkunden. Wir sind da nur sympathisierende Laien und können uns daher nur begrenzt an den zahlreichen, nur schwer auszumachenden Vogelarten erfreuen, die vor allem durch geringe Körpergröße und gut tarnendes Federkleid (nicht) auffallen. Noch dazu, wenn sie sehr weit oben in den Baumwipfeln herum hüpfen. Einige kommen aber relativ nah und besonders über den Specht habe ich mich gefreut.

Kein Specht

Dieser Teil grenzt an die Teeplantagen, die wir auf unserem Rückweg queren. Hier arbeiten in erster Linie Frauen, die die „reifen“ Blätter mit den Händen pflücken. Ihre Kinder warten derweil in einer Gruppenunterkunft. Angeblich sollen sie dort zusätzlich zur Schule auch in Schreiben und Rechnen unterrichtet werden. Gerade sind aber Ferien, d.h. sie hängen da einfach nur zusammen ab.

Feldweg durch eine Teeplantage

Fazit

Der Nyungwe Nationalpark ist ein toller Ort um einen richtigen Bergregenwald zu erleben. Den Canopie-Walk kann man nur begrenzt empfehlen. Die Aussicht von der Hängebrücke ist zwar toll, aber nur sehr kurz. Wenn man auch nur ein bisschen wanderfähig ist, würde ich eher die halb- oder ganztägigen Wanderungen empfehlen.

Primatentracking haben wir uns ganz gespart; einerseits weil das ein wenig teuer ist, andererseits haben wir kein dafür notwendiges Covid-PCR-Testzertifikat.

Unser nächstes Ziel ist der ganz im Westen des Landes liegende Kivu-See.