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Ruanda Roadtrip: Im Schatten des Vulkans

Unser letzter Stop am Kivusee ist die am nördlichen Ufer gelegene Stadt Gisenyi. Ähnlich wie bei Cyangugu im Süden geht das Stadtgebiet auf kongolesischer Seite mit der Millionenstadt Goma weiter. Hier trennt aber kein Fluss, sondern ein Grenzstreifen mit Wachtürmen die beiden Staaten. Ein wenig erinnert es schon an Berlin während der Teilung, allerdings wurden beide Städte unabhängig voneinander gegründet und sind mit der Zeit zusammengewachsen. Es gibt auch keine große Betonmauer, ein Zaun aus rostigem Altblech oder normale Ziegelmauern scheinen zu genügen.

Grenzgebiet zwischen Gisenyi und Goma

An beiden Grenzübergängen herrscht reger Verkehr; am nur für Fußgänger nutzbaren Petit barriere werden aus Altmetall geschweißte Lastenräder mit Hochsitzen als boda-to-boda Fahrzeug genutzt, damit auch Personen mit Gehbehinderung oder solche mit schwerem Gepäck die Grenze passieren können. Insbesondere von erster Gruppe scheint es hier auffällig viele zu geben. Inwiefern das mit den diversen Rebellengruppen und anderen Aufständen auf kongolesischer Seite zu tun hat, erschließt sich uns nicht. François, der Inhaber unserer Unterkunft, erzählt uns allerdings von UN-Mitarbeitern in Goma, die im beschaulichen Gisenyi wohnen und jeden Tag hin- und herfahren, weil es ihnen dort zu gefährlich ist.

Nyiragongo in der Ferne

Unbedingt sehen wollten wir aber weniger die Grenzstadt, sondern den in der Nähe liegenden Vulkan Nyiragongo, zumindest aus der Ferne. Eine Besteigung ist theoretisch möglich, aber wie bereits erwähnt mit den Problemen einer Reise in die DR Kongo verbunden. Während unseres Aufenthalts, die Regenzeit hat schon begonnen, können wir ihn leider nur hinter Wolken verborgen erahnen. Trotzdem wirkt dieser riesige, schön geformte Berg sehr bedrohlich im Hintergrund der beiden Städte. Auf die Frage, ob es einen Aussichtspunkt gäbe, von dem aus man das Glühen des mit Lava gefüllten Kratersees beobachten könnte antwortet François nur mit einem erschrockenem „Thank god not! I was here during the last eruption!“.

Ein Vorteil eines seismisch aktiven Gebiets (siehe Großer Afrikanischer Grabenbruch) ist das Vorhandensein von heißen Quellen. Eine solche gibt es auch hier in der Gegend und wir beschließen, eine kleine Wanderung dorthin zu machen. Geplant ist, dass wir immer am Seeufer entlang laufen bis wir ankommen.

Strand am Kivusee

Erstes Hindernis sind die Hoberer am Bootsanleger, die uns gerne direkt hinfahren würden. Mit einem Umweg aufgrund der Methanpipeline und der Besichtigung einer Insel würde uns das heute nur schlappe $50 pro Person kosten. Dankend ablehnen reicht nicht, einen besonders Hartnäckigen werden wir erst los, nachdem ich seine Nummer in mein Notizbuch geschrieben habe. Die eigene Nummer herauszugeben ist übrigens keine gute Idee, außer man möchte viel Spam und Scam erhalten.

Nun könnte eine längere Geschichte über einen jungen Mann erzählt werden, der – auch nach mehrfachen Nachfragen – nur zufällig den selben Weg wie wir hat und uns „nur schnell“ einen Aussichtspunkt zeigen und einfach nur ein bisschen spazieren gehen möchte. Doch das Ende genügt: Er „organisiert“ an einer anderen Stelle eine halbwegs günstige Ruderbootsüberfahrt zur heißen Quelle (der Fußweg wäre angeblich gesperrt) und erzählt während dessen was von Lösungsbüchern, die er für eine Prüfung am nächsten Tag brauchen würde. Kostenpunkt: $40 und der Buchladen wäre gleich um die Ecke da vorne im Dorf.

Da sich der „Hot spring“ als eine schwefelige Pfütze innerhalb eines Rings von Sandsäcken herausstellt und es auch noch zu Regnen beginnt fahren wir umgehend zurück und schicken den Scammer endlich weg. Beinahe wären wir noch ganz wo anders hingerudert worden, wenn wir nicht interveniert hätten.

Um diese ärgerliche aber auch lehrreiche Begegnung zu verarbeiten kehren wir in ein Uferrestaurant ein, essen und trinken eine Kleinigkeit und lassen uns anschließend von Motos nach Hause fahren.

Landschaft in West-Ruanda

Tags darauf geht es weiter in den Bezirk Musanze, wo wir den Vulkan-Nationalpark und die Zwillingsseen besuchen möchten.

Ruanda Roadtrip: Kivusee im Westen

Die hinter malerischen Uferhängen gelegene Stadt Kibuye wirkt ein wenig ausgestorben. Es ist unklar, ob es an der auslaufenden Saison oder der nach der Pandemie erst langsam wieder anlaufenden Reiselust liegt.

Wir mieten uns eine kleine Hütte mit Blick auf den See und ein Elektrizitätswerk im Kleinresort Rwiza Village. Dank der ruhigen Atmosphäre bei angenehmen Temperaturen und abendlichen Tropengewittern können wir weiter schön entspannen und lesen.

Akzeptieren muss man aber auch hier die augenfällige Ungleichheit der ruandischen Gesellschaft. Während einige Familien von der Arbeit mit den Touristen profitieren und ein großes, von Mauern und Stacheldraht gesichertes Grundstück bewohnen sowie mit einem modernen SUV die holprige Straße befahren, wohnen ihre Nachbarn in kleinen Hütten, betreiben Subsistenzwirtschaft und müssen ihr Trinkwasser aus dem See oder einem öffentlichen Wasserrohr abfüllen, welches ein dünnes Rinnsal bereit stellt.

Wir unternehmen kleine Ausflüge, zum Beispiel zu einer Seidenspinnerei, die sich aber gerade im Modus „Maulbeersträucher pflegen, damit die nächsten (angelieferten) Raupen was zu fressen haben“, befindet und daher weniger spannend ist. Bis auf ein paar Kokons zu Ausstellungszwecken und leeren Hallen mit stillstehenden Maschinen gibt es nicht, zumindest bis der nächste Zyklus beginnt.

Das Umweltmuseum war da schon interessanter, auch wenn die Ausstellung eher an ein Schülerpublikum gerichtet ist. Wir bekommen einen schönen Überblick über Geographie, Fauna und Flora Ruandas sowie über die Ideen zur zukünftigen Gestaltung des Landes. Zum Beispiel soll die bereits bestehende Methanausbeute im Kiwusee ausgebaut werden, um noch mehr Bevölkerungsteile mit selbst produzierter Elektrizität zu versorgen. Eine futuristische Grafik zeigt Kigali als neues Singapur mit Hochhausschluchten und einer Ringautobahn.

Zukunftsvision für Kigali

Fledermausinsel

An unseren letzten Tag machen wir noch einen Bootsausflug zur aufgrund ihrer hutähnlichen Form „Napoleon Island“ oder aufgrund einer riesigen Flughundpopulation „Bat Island“ genannten Insel. Ich frage mich, wie viele derart genannte Inseln es wohl weltweit geben mag.

Auf Instagram hatte ich dazu eine kleine Story gepostet und das sagt eigentlich auch alles über diesen Ausflug. Man wird hingefahren, bestaunt tausende von quietschenden Fledermäusen in den Bäumen, erklettert den Berg, bestaunt den Ausblick zur kongolesischen Seite und fährt wieder zurück. Mit etwas „Glück“ kann man einen Bauern dabei beobachten, wie er seine Kühe durch den See scheucht, damit sie schwimmend eine andere Insel erreichen.

Aber ein bisschen typischer Tourikram darf ja auch sein.

Am Ufer angekommen steigen wir wieder in den Toyota ein und fahren weiter Richtung Gisenyi, der zweitgrößten Stadt Ruandas.

Ruanda Roadtrip: Kivusee im Süden

Unser erstes Ziel ist Cyangugu am südlichen Kivusee. Das Stadtgebiet setzt sich über den Grenzfluss Ruzizi auf kongolesischer Seite fort und bildet dort die mehr als zehn Mal so große Provinzhauptstadt Bukavu. Für uns ist diese Grenze unüberwindbar. Reguläre Visa sind vor Ort nicht zu bekommen; teure Kurzzeitvisa zu touristischen Zwecken sind nur im Rahmen einer fest geplanten Tour möglich. Wir haben beides nicht und sowieso sind spontane Individualreisen in dieses von Kriminalität, Korruption, Rebellengruppen und ungezügelter Ausbeutung gezeichnete Land eher nicht zu empfehlen.

Blick über den Ruzizi auf Bukavu, DRK

Demnach fahren wir nur ein bisschen in der Stadt umher, bestaunen das manuelle Umladen von großen Säcken von LKWs auf Transportschiffe und kehren kurz im Terrassenrestaurant des Emeraude Kivu Resort ein. Dort hat man eine tolle Aussicht auf den See, den Fluss und die beiden Städte. Sonst hat die Gegend aber nicht viel für uns zu bieten; wir kehren also wieder um und fahren auf der ausgebauten Küstenstraße nach Norden.

Hafen von Cyangugu

Was am Straßenverkehr auffällt sind neben den vielen Fußgängern, auch zwischen Ortschaften, die sehr vielen Fahrräder, viel mehr als in Uganda. Und das in einem derart hügeligen Land. Die Fahrräder sind bis auf wenige gut ausgestattete Sportfahrer eher alte Stahlrösser, die zwar nicht mit einer Gangschaltung, aber mit einer Sitzbank ausgestattet sind. Denn neben Holzkohlesäcken, ganzen Betten oder zentnerweise Kartoffeln werden auch Personen in benachbarte Städte transportiert. Abwärts wird quasi kaum gebremst und wenn, dann geschieht das mit an den Sandalen befestigten Holzklötzen. Wenn wir mit vorsichtigen 40 km/h die Serpentinen entlanggurken kann es schon passieren, dass uns ein vollbepacktes Fahrrad zu überholen beginnt. Da ist es dann sicherer für alle, wenn wir etwas schneller fahren. Auch das Konzept der Ideallinie (im Gegensatz zur Mittellinie) haben wir schnell verinnerlicht.

Tagesziel ist die Stadt Kibuye. Da langsam die Dämmerung einsetzt und wir nächtliche Fahrten möglichst vermeiden wollen, suchen wir nach einer Unterkunft. In Google Maps vorhanden, aber von den großen und teils unglaublich teuren Ressorts verborgen (mehrere hundert Euro pro Nacht sind kein Einzelfall), finden wir Unterschlupf in einem Kinderinternat mit kleinem angeschlossenem Guesthouse, dem L’Espérance Children’s Village. Hier wird nun auch das erste Mal der Vierradantrieb benötigt. Der Schotterweg ist stark verwaschen, Schlaglöcher sind, wenn überhaupt, mit großen Steinbrocken verfüllt und ausgewaschene Rinnen notdürftig mit Holzstücken überbrückt.

Trotz später Ankunft bekommen wir noch ein sehr leckeres, vegetarisches Abendessen serviert. Die Zutaten stammen zum Großteil aus dem großen Gemüsegarten. Die Verständigung ist etwas schwierig, da nur eine Person mehr als einige Brocken englisch spricht: Yvette, die mit ihrer Tochter auf dem Internatsgelände lebt und in der Verwaltung und Buchhaltung arbeitet. Beim gemeinsamen speisen lernen wir kurz den adventistischen Pastor sowie den Koch kennen. Schulkinder sind momentan keine da, denn es sind Ferien. Das Gelände wirkt dadurch etwas verlassen, was uns aber überhaupt nicht stört. Spontan beschließen wir hier einen ganzen Tag und eine weitere Nacht zu verbringen. Mit der Ruhe und der schönen Aussicht über die Hügel lässt es sich vorzüglich lesen.

Als wir gehen, es ist Samstag, versammelt sich eine Gemeinde von circa 40 Menschen zur wöchentlichen Predigt. Alle sind im besten Zwirn gekleidet. Von Yvette mache ich einige Photos, die ich ihr später per E-Mail zusende. Wir verabschieden uns herzlich und setzen unseren Weg Richtung Norden fort.

Zur Kultur und Geschichte Ruandas

In Kigali, der Hauptstadt Ruandas, sowie in Nyanza und Huye besuchen wir eine Reihe staatlicher Museen um uns zur Kultur und Geschichte Ruandas zu bilden.

Geschichte vor der Kolonisierung

Über die frühe Geschichte und Kultur konnten wir im Kandt-Haus, im alten Königspalast und im ethnographischen Museum viele Interessante Fakten erfahren und Ausstellungsgegenstände betrachten. Da in Innenbereichen das Fotografieren zumeist nicht gestattet war, gibt es im ganzen Beitrag wenige Bilder.

Das Königreich Ruanda lässt sich bis ins 15. Jahrhundert zurückdatieren. Die Herrschaft wurde von einer Tutsi-Elite ausgeübt, der Großteil der Bevölkerung waren Bauern und gehörten zur Gruppe der Hutu. Die Grenzen waren aber nicht scharf gezogen und die Zugehörigkeit war auch eher sozioökonomisch als ethnisch definiert. Es gab durchaus Mobilität zwischen diesen Gruppen, sprich: man konnte mit genügend wirtschaftlichen Ressourcen vom Hutu zum Tutsi aufsteigen. Man könnte das auch stark vereinfacht mit Adeligen und Bauern gleich setzen.

Recht wurde anhand mündlich überlieferter Gesetze gesprochen. Die Lehre und Weiterentwicklung dieser Gesetze wurde von einer eigenen Bevölkerungsgruppe übernommen, die sich um nichts anderes kümmerte.

Replika das alten Königspalastes

Die Nahrungsaufnahme geschah in erster Linie durch Flüssigkeiten. Tagsüber gab es Kuhmilch, abends Bananenbier. Andere Nahrung wurde quasi „heimlich“ zu sich genommen und nach zwei sozialen Geschlechtern getrennt; es galt als unschicklich, von anderen beim Essen gesehen zu werden. Selbst heute gestaltet es sich in manchen Familien als kompliziert, ein gemeinsames Essen mit älteren Verwandten durchzuführen.

Königliche Kühe

Das Königreich schlug mehrere europäische „Entdecker“ in die Schlucht, bevor es während einer Sukzessionskrise 1894 Teil von Deutsch-Ostafrika wurde. Von den deutschen Beamten und Missionaren wurde der christliche Glaube, das irrige theoretische Konzept menschlicher Rassen sowie strenge körperliche Strafen eingeführt.

Dem letzten unabhängigen König Ruandas wurde von einer weisen Frau eine Prophezeiung offenbart: wenn die Fremden nicht mehr abgewehrt können und das Land betreten, wird es schlecht für Ruanda werden. Außerdem würden die letzten drei Könige im Ausland sterben. Beides ist tatsächlich eingetroffen: die Kolonisierung durch Deutschland und Belgien war für die meisten Bewohner eher nicht von Vorteil und der letzte König, der bis 1961 im Amt war, starb 2016 in den USA.

Recht und Gerechtigkeit

Im vorkolonialen Ruanda gab es das Konzept des „Gacaca“ („niedriges Gras“). Dabei werden Dispute diskutiert, die Opponenten sitzen dabei auf dem Gras, reden offen miteinander und finden einen Kompromiss. Für bestimmte Vergehen gab es zwar auch die Todesstrafe, aber das versuchte man zu vermeiden. Dieser konnte man allerdings entgehen, indem man zum Königspalast wanderte, eine der Wachen im Ringkampf besiegte und es schaffte, die Schwelle zum inneren Bereich zu berühren. Ansonsten bekam man noch genug Zeit, um sich von seinen Verwandten zu verabschieden, bevor erwartet wurde, dass sich der verhängten Strafe gestellt wird.

Nach dem Genozid im Sommer 1994 wurde dieses Prinzip im Rahmen der Gacaca-Courts wieder belebt. Viele der Genozidiäre (so werden die Täter genannt) flüchteten in die Demokratische Republik Kongo (DRC) und sind dort noch immer. Viele blieben aber auch im völlig verwüsteten Land. Es wurde eine beispiellose Form der Versöhnung und Aussprache gefunden. Menschen, die die Taten zugaben und ehrlich bereuten, konnten ihre Haftstrafe durch gemeinnützige Arbeit wie den Bau von Straßen oder die Reparatur der abgebrannten Häuser reduzieren. Das half Hinterbliebenen zum Beispiel, die Leichen ihrer Angehörigen zu finden und sie würdevoll zu bestatten. Überall im Land finden sich die Genocide Memorials mit Massengräbern und Ausstellungen zu den jeweiligen Vorkommnissen.

Genozid von 1994

Über diese grausamen Geschehnisse haben wir am Kigali Genocide Memorial sowie dem Campaign Against Genocide Museum sehr viel lernen können.

Kigali Genocide Memorial

Ersteres ist der zentrale Gedenkort, an dem auch mehr als 250.000 Menschen beerdigt sind. Es wird die gesamte Vorgeschichte, die Planung, Durchführung und Aufarbeitung des Genozids in einer ausführlichen Ausstellung behandelt. Ein weiterer Bereich nimmt eine geschichtliche Einordnung vor und beschreibt andere Genozide und wie es zu jenen kam (unter anderem die Shoah in Europa und den Massenmord der Roten Khmer in Kambodscha).

Gebäudefassade mit Einschusslöchern im Campaign Against Genocide Museum

Zweiteres ist eine Ausstellung im ruandischen Parlamentsgebäude mit einigen Denkmälern im Außenbereich. An jener Stelle waren nach gescheiterten Verhandlungen im ruandischen Bürgerkrieg eine Gruppe von Exilpolitikern der RPF sowie zu deren Schutz mitgereiste 600 Infanteriesoldaten der RPA zugegen, als der geplante Genozid begann. Sie konnten sich dort nicht nur verschanzen, sondern in zunächst begrenztem Maß in das Geschehen eingreifen, sehr viele Menschen vor dem Tod bewahren und bildeten bald die Speerspitze einer großen militärischen Operation, die den Genozid schließlich beendete und das Land befriedete.

Ausstellungstafel im Campaign Against Genocide Museum

Ich hatte mich vor der Reise nicht extra mit diesem Thema beschäftigt. Ich hatte noch aus den Nachrichten damals in Erinnerung, dass Tutsis von Hutus ermordet worden und vor einigen Jahren einen Zeitungsartikel zu den Geschehnissen gelesen.

Was ich nach den Besuchen bemerkenswert fand, sind die folgenden Dinge:

Die Bezeichnungen Tutsi und Hutu sind zwar schon sehr alt, aber wie oben bereits erwähnt eher keine ethnischen Gruppierungen. Zu Zeit der belgischen Kolonialzeit, die bis 1961 dauerte, wurden einfach alle mit mehr als 10 Kühen als Tutsi, alle mit weniger als 10 Kühen als Hutu und alle ohne Kühe als Twa eingeordnet. Diese Einordnung wurde auch in Passdokumenten eingetragen. Die ersten Massenmorde an Tutsis gab es bereits 1959 mit Billigung der belgischen Regierung, was zu einer Massenflucht und einer großen Exilbevölkerung in Uganda führte. Der Bürgerkrieg ab 1990 drehte sich unter anderen um die Rückkehr dieser Flüchtlinge. Als die obigen Verhandlungen stattfanden, wurde bereits seit mehreren Jahren der Genozid geplant. Es wurden circa 30.000 Milizionäre im Massenmord ausgebildet. Im Radio wurde die Entmenschlichung der Tutsi propagiert. Es wurden Listen mit gemäßigten Hutu-Politikern angelegt. Es wurde Kriegsgerät und tonnenweise Macheten importiert. Das war keinesfalls ein spontanes aufbegehren einer unterdrückten Mehrheit, als dass es mir in den Beschreibungen in Erinnerung blieb, sondern ein detailliert geplanter Massenmord. Zynischerweise wurde zur Initialzündung der ebenfalls in die Planungen eingeweihte Präsident Habyarimana in seiner Maschine beim Anflug auf Kigali von Boden-Luft-Raketen abgeschossen.

Statue im Campaign Against Genocide Museum

Westliche Regierungen und im Land stationierte UN-Blauhelme griffen nicht in den Genozid ein, obwohl es eindeutige Warnungen im Vorfeld gab. Evakuierungen gab es nur für im Land lebende Westler, ihre oft dem Tod geweihten Angestellten mussten zurück bleiben. Auch die damalige Bundesregierung versuchte das Thema möglichst zu ignorieren und auszusitzen, obwohl Deutschland zu diesem Zeitpunkt der größte Geldgeber in der Entwicklungszusammenarbeit mit der Regierung war.

Wer nun mehr über diese komplexen Themen lesen mag kann den Links im Text folgen. Zu Bedenken gilt es auch, dass die Ausstellungen klar eine Darstellung aus Sicht der Sieger sind.

Ruanda Roadtrip: Nyungwe Nationalpark

Um die ländlichen Regionen Ruandas zu erkunden mieten wir uns für die nächsten zwei Wochen ein Auto. Die Straßen sind in einem sehr guten Zustand, es gibt im Vergleich zu Uganda weniger Verkehr und es wird vernünftiger gefahren. Nicht zuletzt dürften dafür die regelmäßig positionierten Radartürme sorgen. Ein Auto mit Vierradantrieb ist trotzdem angesagt, denn manchmal muss man zumindest für kurze Wege die ausgebauten Straßen verlassen. Geworden ist es ein Kompakt-SUV von Toyota, ein 2008er RAV4 VVT-i.

Fahrerin Katrin

Nach den Museumsbesuchen im ehemaligen Königspalast in Nyanza und im ethnographischen Museum in Huye zieht es uns in die Natur und wir fahren in den Nyungwe Nationalpark. Er gilt als eines der größten erhaltenen Bergregenwaldgebiete Afrikas und setzt sich nahtlos im Kibira Nationalpark im südlich angrenzenden Burundi fort. Das klingt erst mal viel, und 1000 km2 Fläche ist auch nicht wenig, allerdings ist man auf der den Wald querenden Bergstraße in einer guten Stunde von einem Ende zum anderen gefahren. Auf dieser begegnen uns regelmäßige, schwer bewaffnete Infanteriepatroullien der ruandischen Armee. Auch wenn es immer wieder Bemühungen zur Entspannung gibt, befinden sich Burundi und Ruanda in einem Konflikt bei dem gewaltsame Ausbrüche nicht ausgeschlossen sind.

Dichter Bergregenwald

Wir kommen in einem familiären Guesthouse in Gisakura am westlichen Rand des Nationalparks angenehm unter und starten von dort aus drei Ausflüge. Hier essen wir auch abends. Das dauert zwar immer mindestens eine Stunde bis man es bekommt, dafür ist alles frisch zubereitet und kurz vorher auf dem kleinen Markt im Dorf eingekauft.

Markt in Gisakura

Tag 1: Canopy Walk

Brücke auf Baumwipfelhöhe

Da mein Fuß immer noch nicht 100% intakt ist und wir auch sonst eher etwas außer Form sind, nehmen wir uns am ersten Tag nur eine kurze Tour vor. Alle Wanderungen sind hier nur zu bestimmten Zeiten in einer geführten Gruppe möglich. Der Canopy Walk ist der teuerste und gleichzeitig der beliebteste Ausflug. Hierfür gibt es sogar Tagestouren von Kigali aus und auch ohne besondere Fitness kann man auf einer sehr hohen und langen Hängebrücke das atemberaubende Regenwaldpanorama genießen und ist nach nicht mal zwei Stunden wieder am Ausgangspunkt zurück.

Tag 2: Nature Walk

Angespornt vom Vortag laufen wir diesmal circa vier Stunden tief in den Regenwald hinein bis zu einem Wasserfall und auf einem Rundweg zurück. Auch hier kann man die fast geschlossenen Baumkronendecke bewundern, diesmal aber auch von unten. Dort herrscht schon eine besondere Atmosphäre und wir bewundern die groß gewachsenen Farne und Mahagonibäume. Neben vielen Vögeln und einigen Insekten begegnen uns eher wenige Tiere; allerdings kreuzt einmal eine neongrüne Viper unseren Weg.

Von unserem Guid „Amie“ erfahren wir, dass sich im gesamten Wald eine Schlingpflanze ausbreitet. Diese wächst an Bäumen hoch bis diese komplett überwuchert sind und anschließende stirbt der Baum und verrottet. Faszinierend an diesen Pflanzen ist, dass sie einmal alle 15 Jahre blühen und dann die ganze Gegend in eine weiße Pracht verwandeln. Das nächste Mal soll es in zwei oder drei Jahren wieder so weit sein. Andererseits zeigt sich hier auch das Problem menschlicher Konversation. Denn dem Wald in seinem jetzigen Zustand fehlen zwei wichtige Bewohner, die im zwanzigsten Jahrhundert komplett ausgerottet wurden: Wasserbüffel und Waldelefanten. Beide würden diese Pflanzen in großen Mengen fressen und so ihre Ausbreitung eindämmen. Da dies aber nicht passiert wird von manchen befürchtet, dass in ein paar Jahrzehnten keine Bäume mehr vorhanden sein würden. Es wird daher über die erneute Ansiedlung dieser beiden Tierarten nachgedacht.

Von Schlingpflanzen befallener Mahagonibaum

Tag 3: Birding Walk

Im westlichen Teil des Nationalparks kann man mit einem vogelkundigem Guide die Welt der gefiederten Freunde erkunden. Wir sind da nur sympathisierende Laien und können uns daher nur begrenzt an den zahlreichen, nur schwer auszumachenden Vogelarten erfreuen, die vor allem durch geringe Körpergröße und gut tarnendes Federkleid (nicht) auffallen. Noch dazu, wenn sie sehr weit oben in den Baumwipfeln herum hüpfen. Einige kommen aber relativ nah und besonders über den Specht habe ich mich gefreut.

Kein Specht

Dieser Teil grenzt an die Teeplantagen, die wir auf unserem Rückweg queren. Hier arbeiten in erster Linie Frauen, die die „reifen“ Blätter mit den Händen pflücken. Ihre Kinder warten derweil in einer Gruppenunterkunft. Angeblich sollen sie dort zusätzlich zur Schule auch in Schreiben und Rechnen unterrichtet werden. Gerade sind aber Ferien, d.h. sie hängen da einfach nur zusammen ab.

Feldweg durch eine Teeplantage

Fazit

Der Nyungwe Nationalpark ist ein toller Ort um einen richtigen Bergregenwald zu erleben. Den Canopie-Walk kann man nur begrenzt empfehlen. Die Aussicht von der Hängebrücke ist zwar toll, aber nur sehr kurz. Wenn man auch nur ein bisschen wanderfähig ist, würde ich eher die halb- oder ganztägigen Wanderungen empfehlen.

Primatentracking haben wir uns ganz gespart; einerseits weil das ein wenig teuer ist, andererseits haben wir kein dafür notwendiges Covid-PCR-Testzertifikat.

Unser nächstes Ziel ist der ganz im Westen des Landes liegende Kivu-See.

Kampala City

Wir reisen einen Tag früher als geplant aus Entebbe ab, unter anderem um Marco am Samstag Abend zu erwischen. Den Kontakt zu ihm hatten wir über gemeinsame Freunde erhalten und freuen uns auf ein Treffen. Kampala ist über den neu gebauten Expressway in einer guten Stunde erreicht. Auf der großzügig dimensionierten Autobahn ist quasi kein Verkehr, was vermutlich an den wenigen Ausfahrten und der Mautgebühr liegt.

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Beginn einer neuen großen Reise

Eigentlich sollte diese Reise vor zwei Jahren starten. Eigentlich sollte sie auch wieder teilweise durch Zentralasien führen. Dann breitet sich SARS-CoV-2 auf der Erde aus und an Fernreisen war nicht zu denken. Zu Beginn des Jahres, die Pandemie ist nicht zuletzt dank der Impfungen großteils handhabbar, eskaliert Putins Russland den Ukrainekonflikt zu einem brutalen Angriffskrieg. Dabei hätte die Menschheit mit der Eindämmung der Klimakatastrophe bereits mehr als genug zu tun.

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Real existierender Feriensozialismus

In der Republik Kuba gibt es zwei offizielle Währungen und daher im Grunde auch zwei (nicht ganz scharf) getrennte Wirtschaftssyteme. Das ist einerseits der kubanische Peso (CUB) für die Versorgung der breiten Bevölkerung mit wenigen einfachen Speisen wie Pizza, Hühnchen, Reis und Cuba Cola. Zusätzlich wurde der Peso Convertible (CUC) eingeführt, der 25-mal so viel Wert ist, und ungefähr einem Euro entspricht. Real existierender Feriensozialismus weiterlesen

26. Etappe: Puerto Viejo – San Jose – Havanna

In Puerto Viejo machen wir eine Woche mit voller Hingabe endlich einmal folgendes: intensiv entspannen. Wir kommen relativ preiswert in einem kleinem Hostel „The Lazy Mon“ über einer Bar mit akzeptabler Livemusik unter, die direkt auf den Strand gebaut wurde. Auch hier regnet es fast jeden Tag, zumeist aber eher nach Einbruch der Dunkelheit. 26. Etappe: Puerto Viejo – San Jose – Havanna weiterlesen