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Amazon stellt Wii in Cybersex-Ecke

Hier mal wieder ein Paradebeispiel, was bei großen, automatisch ausgewerteten Datenbanken so alles schief gehen kann. Ich informierte mich gerade bei Amazon ein wenig über die Wii, klickte durch die Empfehlungen und landete auf der Produktseite für Pokémon Battle Revolution – wohlgemerkt, ohne eingeloggt zu sein. Und was musste ich dann mit großem Erstaunen bei den „Lieblingslisten“ auf der Seite sehen:

Lieblingsliste

Das geschah offenbar nur, weil in der Liste neben ganz viel Erotikkrams auch MySims für die Wii eingetragen wurde (ich will nicht wissen, was manche Leute so mit ihren Sims machen).

Das Ergebnis dürfte von Amazon wohl kaum erwünscht sein. An mangelndem technischem Wissen dürfte es kaum liegen – wenn sich jemand mit Datamining auskennt, dann ja wohl Amazon. Diese ganzen Lieblingslisten und Empfehlungen sind ja ein Paradebeispiel für die Verknüpfung von Informationen aus verschiedenen Quellen.

Wenn jetzt aber nicht mal ein Profi wie Amazon das fehlerfrei hinbekommt, wie soll ich dann bei der Vorratsdatenspeicherung darauf vertrauen, dass da nicht auch fehlerhafte Zusammenhänge hergestellt werden – mit potentiell viel weitreichenderen Konsequenzen?

Freiheit am neun-elf

Heute vor 18 Jahren siegte der Drang nach Freiheit und Gerechtigkeit gegen eine repressive Obrigkeit. Viel zu lange wurde ein ganzes Land eingesperrt, überwacht und unterdrückt. Am Ende genügten das Gestammel eines in die Ecke gedrängten Parteibonzen, und eine Bevölkerung, die dessen Worte ausnahmsweise mal wörtlich nahm.

Eine Sternstunde der Geschichte, die so vieles verändert hat. Im Großen wie im Kleinen. So hätte ich wohl die Liebe meines Lebens hinter der Mauer nie kennengelernt.

Ganz anders der heutige Tag. Die Volksvertreter verkünden nicht mehr, sondern weniger Freiheit. Eine anonyme Nutzung von Telekommunikation soll ab dem kommenden Jahr mit der Einführung der Vorratsdatenspeicherung nicht mehr möglich sein. Wie bei allen vergleichbaren Maßnahmen seit dem 11.9. wird auch hier wieder die Sicherheit als Verkaufsargument genannt. Und natürlich soll das alles auch nur die Verbrecher betreffen.

Bedenken und Kritik dagegen gibt es viel, doch die Entscheider in den sogenannten Volksparteien wissen es besser. Als Informatiker kann ich nur sagen, dass selbst einfache Programme nicht immer so laufen, wie man sich das erhofft. Was da bei einem Analyseprogramm für Telekommunikationsdaten alles herauskommen kann, wage ich mir kaum auszumalen. Fraglich ist für mich nicht ob, sondern nur wann es den ersten Harry Buttle geben wird.

Weiterführende Links

Wir brauchen keinen Großen Bruder

An der FH Augsburg ist diese Animation zum Thema „Überwachungsstaat“ entstanden (veröffentlicht unter Creative Commons):

Es gibt ja seit ein paar Tagen auch ein neues Nine Inch Nails Video (Survivalism), welches sich ebenfalls ganz geschickt mit der Thematik auseinandersetzt. Da dieses Video allerdings nur offiziell inoffiziell via USB-Toilette veröffentlicht wurde, und die Bluthunde Anwälte von Universal bekanntlich keinen Spaß verstehen, lass‘ ich das mit dem direkten YouTube-Embed mal lieber sein.

Überwachung Galore

Da hat man den Run bei HP schon fast wieder verdrängt, da wird man plötzlich mit Überwachungsskandalen förmlich überschüttet:

Man könnte fast meinen, Deutschland ist von Abhörskandalen umzingelt. Zum Glück gibt’s bei uns sowas nicht.
Den betroffenen Regierungen kann man aber auch kaum einen Vorwurf machen. Ist halt schon praktisch, wenn (wie z. B. bei Vodafone Griechenland) die Vermittlungsstellen serienmäßig eine Abhörschnittstelle enthalten – auch wenn sie gar nicht bestellt wurde. Naja, bei kostenlosen Extras schaut halt keiner so genau hin, gell?